Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

... directors cut (Pfingsten)

Administrator on May 02 2008

Von allen guten Geistern verlassen?....

Hulda, nennen wir das Huhn einfach mal so, also Hulda ist wieder baff. Wie jedes Jahr pilgern Tausende ins Grüne. Es ist Pfingsten in Nordostoberfranken. Da rüstet ein ganzes Volk zum Freiluftdope und zur Geistdusche. Es wird Platz in den verstaubten Kirchen für die volkskirchlichen Kleingeister gemacht. Aber die sind nicht besoffen, wie man schon vor 2000 Jahren einmal vermutete. Der geistvolle Waldemar, sie kennen Huldas Cousin inzwischen, weiß noch mehr: Der Geist Gottes, die Weisheit und die Kraft Gutes und Böses zu unterscheiden, das wird an Pfingsten erbeten. Und manchen erwischt es auch tatsächlich. Wobei, und das mag erstaunen, manchen erwischt der Heilige Geist sogar in den Kirchen, nicht nur im Grünen.

Im Spiegel (Nr.18, 28.4.08 S.38) stand neulich zu lesen, auch Hulda wühlt im Altpapier, dass das mit dem rechten Geist gar nicht so einfach ist. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen schoss 250.000.- Euro zum Christival zu, das letzte Woche stattfand. Ein evangelikales Geistausschüttungsfest auf Bundesebene, so Waldemar. Die Organisatoren ließen sich davon so begeistern, dass sie den Antischwulenarbeitskreis "Wege heraus aus der homosexuellen Empfindung" doch noch aus dem Angebot strichen. Ein Geschenk des (Zeit-)Geistes oder ein Wink mit dem Scheck?

Die Geister zu scheiden ist gar nicht so einfach. Noch weniger, wenn eine ¼ Million im Spiel ist. Inzwischen hatte auch ein gewalttätiger Ungeist um sich gegriffen, als Teilnehmer der Christivals mit Flaschen attackiert wurden.

Hulda und Waldemar sehen sich ratlos an.

Eine Kirche auf der Suche nach dem richtigen Geist?

Wo ist er nun der rechte Geist? Wie kann man die Geister unterscheiden? Den Ungeist, den Zeitgeist und den guten Geist Gottes? Welche Kriterien hat man in der Hand? Oder gibt jeder und jeder der Waage den Kick, den er selbst möchte, sowie beim esoterischen Pendeln?

Hulda ist mit ihrem, eh schlechten, Latein am Ende. Also macht doch wieder jeder, was sein eigener Geist will? Wir wissen nicht, was der freundliche Waldemar empfiehlt. Hulda meint, das hat sie aus einer Pfingstpredigt geklaut, also Hulda meint:

Halten wir uns an Petrus, halten wir uns an Christus, halten wir uns ans Kreuz, draußen im Grünen und in den Kirchen: "Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen." (Apostelgeschichte 2, 32). Halten wir uns an Jesus Christus und an den Geist Gottes, der diesen trieb. Der Geist Gottes, der alle einlud, sich unter das Wort Gottes zu stellen. Kleine und große Geister, enge und weite Geisteskinder. Wir wissen alle, dass manche angeblich im Geist Christi oft weniger geistvoll agierten, als der HERR der Kirche selbst.

Damit ist die Unterscheidung der Geister nicht einfacher geworden.

Aber auch nicht banaler und menschenverachtender als durch manchen menschlichen Kleingeist, der ohne Korrektur von außen behauptet: Er und nur er habe den wahren Geist.

Der lauteste und dümmste Gockel, so weiß Hulda, landet als erstes im Topf und gibt den Geist auf.

Meint Hulda.

(tw 05/08)

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