Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda - alles verändert sich

Administrator on Oct 01 2012

Alles verändert sich – ständig und irgendwie… Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda staunt immer wieder, was es nicht alles gibt. Da springt ein Mensch aus einem Ballon und erreicht Schallgeschwindigkeit.

Hulda ist schon froh, wenn sie es mit ein paar Flügelschlägen bis auf den Misthaufen schafft. Was ist nicht alles möglich geworden. Früher lebten die Menschen über Jahrhunderte so wie ihre Vorfahren. Die Kinder wie die Urgroßeltern und deren Urenkel genauso wie sie. Heute verdoppelt sich das Wissen (und damit auch die Möglichkeiten) der Menschen angeblich innerhalb von sechs Jahren. Es wird geforscht und erfunden und Neues ausprobiert. Hulda kennt noch die Zeiten, als der Postbote Briefe auf den Bauernhof gebracht hat. Jetzt kommen die Briefe angeblich über ein Kabel unter der Erde und werden nicht mehr mit dem Fahrrad, sondern mit Strom verschickt. Hulda kennt auch noch die Zeiten, als die Nachbarskinder vorbeiliefen, klingelten und fragten, wer mit Lager bauen geht. Heute wird minütlich gesimst, ohne Flatrate geht gar nichts mehr

Wobei, Hulda ist ganz froh, dass sich manche Dinge verändern. Huldas Ururgroßeltern lebten noch mit dem Bauern im Haus. Dann kamen die Zäune um den Hühnerhof. Dann die engen Hühnerkäfige. Und so langsam setzt sich der Gedanke wieder durch, dass auch Hühner glücklicher leben, wenn sie wieder nach Würmer suchen dürfen. Ein bekannter Philosoph hat einmal gesagt - jetzt nicht wundern, auch freilaufende Hühner dürfen selbstständig denken, und Hulda merkt sich manchmal sogar, was sie hört - also ein Philosoph hat einmal gesagt: „Wer will, dass die Welt bleibt wie sie ist, der will nicht, dass die Welt bleibt.“ Doch der Philosoph hat das auch nicht selber erfunden. Der Wittenberger Mönch Martin Luther sprach schon vor fast 500 Jahren davon, dass die Kirche ständig und immer wieder verändert werden muss. Na gut, da ging es nicht um die Welt, aber die Kirche verändern, ist ja doch auch schon mal eine Aufgabe für einen freien Samstagvormittag. Das Reformationsfest am 31.10. erinnert daran. Hulda ist jedoch auch nicht über jede Veränderung glücklich. Als die junge Bäuerin auf Biolandwirtschaft umstellte und statt Würmern nur noch Karottensticks auf den Tisch kamen, sehnte sich Hulda auch nach den alten Zeiten. Hulda kann ja verstehen, dass manche an gewohnten Formen und Abläufen hängen. Hulda findet es gut, dass sie als Huhn nicht plötzlich Kühe melken soll oder gar Traktor fahren muss. Manches ist einfach gut und sinnvoll, auch seit vielen Jahren. Und trotzdem freut sich Hulda für die Bäuerin, dass sie die 140 Milchkühe nicht alle mit der Hand melken muss und dass die Veränderungen dazu geführt haben, dass in Deutschland kaum mehr Kinder wegen Unterernährung sterben müssen.

Ob jedoch die Vermaisung der Landwirtschaft eine gute Geschichte ist, und ob ausgerechnet aus Mais Energie gewonnen werden muss, das müssen wohl die künftigen Generationen beurteilen. Ähnlich wie bei den Legebatterien von Huldas Großeltern in der Vergangenheit. Zum Glück hat sich der Bauer auch gegen die Karottensticks letztlich wieder durchsetzen können. Hulda und ihre Kolleginnen freut das sehr. Die Bäuerin wahrscheinlich nicht ganz so.

Da kommt Hulda ein Gedanke, den sie eh schon mit dem Bauern besprechen wollte, vielleicht kann man auch über die Goldbroiler noch mal neu nachdenken? Oder soll sie das vielleicht doch lieber mit der Bäuerin besprechen?

Meint Hulda

(tw 10/2012)

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