Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda - Make eggs, not war!

Administrator on Jul 01 2014

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch (Bertold Brecht)

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, Hulda ist immer wieder fassungslos, wie wenig die Menschen aus ihrer Geschichte lernen. Am 1. August, jährt sich zum 100. Mal der Beginn des sogenannten 1. Weltkrieges.

Hulda hat sich die Zeit genommen und den dicken Wälzer von Christopher Clark „Die Schlafwandler“ gelesen. Eine Darstellung und Analyse der europäischen Bündnispolitik, der nationalen Bestrebungen auf dem Balkan und der unsäglichen Leichtigkeit mit der Millionen von jungen Männern in den Tod geschickt wurden. Hulda hat vor vielen Jahren die Schlachtfelder von Verdun besucht und konnte nicht wirklich fassen, was da geschah. Vor einigen Wochen dann eher zufällig, blieb Hulda bei dem US Film von 1930 „Im Westen nichts Neues“ hängen, der kongenial Erich Maria Remarques Roman umsetzt. Die Szenen, in denen Tausende ins Maschinengewehrfeuer laufen, um sich dann mit aufgepflanzten Bajonetten in die Gräben zu stürzen, wo Gewehre und archaische Grabenkampfwaffen warteten, lassen bruchstückhaft erahnen, wie es den Männern an den Gräben oben und unten zumute gewesen sein musste. Die Franzosen haben die Angst einmal damit bekämpft, dass abgezählt wurde und jeder 30. Mann jeder Einheit erschossen wurde. Als Prophylaxe fürs nächste Mal.

Hulda hat auch die Bilder vom Jahrestag des D-Day in der Normandie 1944 verfolgt, als dann Hand in Hand zwei gebrechliche Veteranen, ein Franzose und ein Deutscher, an Omaha Beach standen, dahinter riesengroß auf Leinwand die beiden in Uniform vor 70 Jahren. Für Hulda ein Hoffnungszeichen.

Der Schwenk der Kamera von den versöhnten Gegnern von einst in die Gesichter von Barack Obama und Vladimir Putin, die in der Ukraine, in Syrien und im Gazastreifen, durchaus Optionen zum Handeln hätten, war für Hulda fast schon ein resignativer Hilfeschrei der Bildregie.

Und auch der 70. Jahrestag am 20. Juli ist ein Aufschrei der Hoffnung, dass Menschen bereit sind, dem Rad in die Speichen zu fallen. Ein kleines Hoffnungszeichen in dieser bestialischen Zeit auch für die Kirche, die einen der begnadeten Theologen Dr. Dietrich Bonhoeffer dabei verloren hat.

Und zugleich weiß Hulda, dass Kriege letztlich nicht irgendwo und irgendwann entstehen, sondern immer schon jetzt und meist in den kleinsten Zellen des Staates, in den Wohnungen und Häusern, in den Bierzelten und Vereinsversammlungen.

Jede Äußerung von Gewalt in Worten und Taten ist wohl auch ein Mosaiksteinchen, das dann Gewalt als normale Reaktion auf andere erscheinen lässt.

 

Schreit Dein Kind mein Kind an, dann aber…

Schaust Du meine Familie schräg an, dann aber…

Schau Dir die Fremden doch an, dann aber…

Tötest Du drei meiner Jugendlichen, verbrenne ich einen von Deinen.

Der Anfang ist meist ganz unscheinbar…


(tw 07/2014)

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