Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda: Bonjour La France! (02/2013)

Administrator on Feb 01 2013

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Also Hulda schwärmt ja seit Jahren für Frankreich. Schon in der Kindheit ging das los. Mit dem kleinen gallischen Dorf in der Bretagne und Idefix.

Und auch die Urlaubsreisen führten Hulda immer wieder zum westlichen Nachbarn. Hulda liebt Käse und Weißbrot und Patisserien und Fromagerien und Degustation. Und die herrlichen romanischen Kirchen. Und immer wurde Hulda freundlich aufgenommen. Vielleicht stehen die ja besonders auf Hühner. Zumindest führen die „les bleus“, den gallischen Hahn auf der Brust. Zumindest beim Fußballländerspiel Anfang Februar. Der erste Sieg in Frankreich seit 1935 hat es dann geheißen. Komisch, wie man sich zunächst mitfreut. Und es klingt dennoch extrem merkwürdig.

Und in diesem Jahr ist ja Frankreich wirklich in aller Munde. 50 Jahre deutsch-französische Verträge. Angela sagt François. Und in Rehau erinnert man sich daran, dass seit 200 Jahren in Faßmannsreuth Gräber von französischen Soldaten gepflegt werden. Über all die Jahre der Erbfeindschaft und über alle Kriege hinweg. Das hat vor 50 Jahren einen Journalisten aus Bourgoin Jallieu so beindruckt, dass daraus eine der ältesten Städtepartnerschaften zwischen Frankreich und Deutschland wurde. Und das hat gehalten. Wohl auch deshalb, weil die Rehauer nie Rugby gegen Bourgoin Jallieu spielen mussten. Aber das wäre doch was: die Stadträte im Sommer beim Wiesenfest beim Rugbymatch – da würde Völkerverständigung hautnah realisiert.

Hulda findet Frankreich klasse. Wobei, Hulda erinnert sich an einige Nachrichten und daran, dass Frankreich eine ganz eigene aufwühlende Geschichte hat. Die Kriege in Indochina später Vietnam und die Grausamkeiten in Algerien. Die Auseinandersetzungen in den Armenvierteln mit der Polizei in neuester Zeit. Französischer Nationalstolz und das Miteinander von Immigranten aus den ehemaligen Kolonien ist ein schwerer Weg.

Der Weltgebetstag am 1. März nimmt Frankreich in den Blick. Und der Weltgebetstag nimmt ein Motto in den Mittelpunkt, das gleich mehrfach trifft.

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“ Das Motto trifft auf die französischen Soldaten zu, die in Faßmannsreuth beherbergt wurden und deren Gräber dann gepflegt wurden. Das Leitmotiv aktualisiert die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Geschichte und den fremden Nachbarn im eigenen Land. In Frankreich und in Rehau.

Mit Fremden, die zu Freunden wurden und die man maximal einmal im Jahr sieht mag vieles gehen. Aber wie geht es mit Fremden, die zu Nachbarn wurden und zu denen die Freundschaft schwierig ist? Weil sie anders aussehen, weil sie anders denken, weil sie anders glauben, weil sie anders gebildet sind, weil sie anders arbeiten, weil sie anders leben?

Hulda ist gespannt, ob es die Frauen am Weltgebetstag schaffen etwas von der Versöhnung zwischen Rehau und Bourgain Jallieu in den Alltag der nächsten Wochen zu bringen.

Meint `Ülda (frz. für Hulda)

(tw 02/2013)

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