Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das bunte Willkommen

Administrator on Apr 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda traut ihren Ohren nicht. „Das Boot ist voll“ ist wieder von allen Seiten zu hören.

Aggressiv, hasserfüllt und teilweise mit verbrecherischen Brandanschlägen gegen Unterkünfte von Asylsuchenden ist diese ungeistige Haltung verbunden. Ein schauerliches Bildwort, das auch von seriösen Medien inzwischen übernommen wird. Da wurde im Heute Journal ernsthaft gefragt: „Wenn man alle Flüchtlinge aufnimmt, kommt dann nicht die Zeit, in der das Boot wirklich zu voll sein könnte? Gehen dann nicht alle unter?“ Hulda hat die Vermutung, dass wirklich nur die tatsächlich voll sind, die meinen, selbstsicher und zufrieden im exklusiv persönlichen Rettungsboot zu sitzen. Fakt ist doch, dass momentan nur die seeuntüchtigen Boote gestopft voll sind. Boote, mit denen Menschen in aller Verzweiflung von skrupellosen Schleusern übers Mittelmeer getrieben werden. So voll, dass die Nussschalen absaufen und die Menschen zu Tausenden mit ihnen. Hulda vermutet, dass alle, die lesen können, an dieser Stelle wirklich klar im Vorteil sein könnten. Wie voll muss man denn sein, um in Angst um sein eigenes Übergewicht Menschen so jämmerlich verrecken zu lassen? Hulda versteht die Menschen nicht.

Hulda bemüht sich, so schwer es gerade fällt, mal um Sachlichkeit: Die Rettung der Bank Hypo Real Estate kostete die SteuerzahlerInnen 20 Milliarden. Eine neue Aktion „mare nostrum“, als Seenotrettung der Flüchtlinge, könnte mit diesem Geld 185 (einhundertfünfundachtzig) Jahre fortgeführt werden! Anscheinend waren 700 Tote doch beeindruckend genug, dass sich bei der Bundesregierung wieder etwas zu bewegen scheint.

Der Spruch „Das Boot ist voll“ ist vollkommene Angstmache, die jeglicher sachlichen Basis entbehrt. Die Ärmsten der Armen weltweit tragen die Hauptlast der Flüchtlingsströme in ihren Ländern, nicht wir! Und die Menschen laufen auch vor deutschen Waffen davon, die uns in unserem Boot so schön voll erscheinen lassen. Und außerdem gibt es ein geklärtes, wenn auch oft kaum auszuhaltend langes Asylverfahren. Wer dauerhaft bleiben darf, entscheidet ein gültiges juristisches Verfahren und nicht selbsternannte Badewannenkapitäne, die über ihren Wohlstandsbauch hinweg das Elend von Menschen nicht mehr wahrnehmen.

Ja, wir sind ein Zufluchtsland! 1945 Schlesier und Sudetendeutsche. 1970 Siebenbürger und Russlanddeutsche. 1990 Bosnier. Und seit 2012 aus Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten und dem Balkan.

Hulda findet es gut, dass Menschen Zuflucht bekommen, die aus Not und Gefahr zu uns kommen. Unser Freistaat muss Freistatt für Flüchtlinge sein. Und auch Rehau ist keine Insel, die sich die Probleme anderer so weit wie möglich vom Leib halten kann.

Ach ja, und unabhängig aller Parteipolitik freut sich Hulda, dass morgen, am 1. Mai, in Rehau junge Menschen die Aktion „Rehau ist bunt“ initiieren. Der Spruch ist wirklich klasse und vielleicht kommen alle Farben des Partei- und Vereinsspektrums zusammen. Es müssen sich dabei nicht wirklich alle bis zur Unkenntlichkeit der eigenen Position mischen, weil das gäbe braun, und das will hoffentlich niemand wieder haben!

Meint Hulda

(tw 04/2015)

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