Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das Eiergeld

Administrator on Jun 01 2012

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, traut ihren Ohren nicht. Da soll es jetzt Betreuungsgeld geben. Das ist Geld dafür, dass man sich um seine Kinder selber kümmert.

Hulda denkt nach. Gibt es nicht schon Kindergeld und Erziehungsgeld? Bei den Hühnern gibt es ja nur Geld, wenn sie ihre Kinder abgeben – leider nicht für die Hühner. Bei den Menschen ist ja vieles anders. Vielleicht merken die gar nicht, wie wertvoll ihre Kinder sind. Deshalb mal was Neues? Das Geld soll das vielleicht wieder deutlich machen? Oder das Geld soll deutlich machen, dass auch das Kinderweggeben schon immer Geld kostet? In die Krippen und in die Kindergärten fließt ganz schön Kohle. Von der Stadt, von der Kirche (außerhalb von Rehau auch von anderen Trägern) und vom Freistaat Bayern.

Hulda ist aber der Überzeugung, dass dann konsequenterweise auch die Eltern Geld bekommen müssten, die ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Weil die Schulen ja sicher noch mehr Geld kosten.

Nein, Nein, Nein, hat da Würdemar, Huldas Cousin, gesagt. Das geht nicht. Schulen müssen sein, da braucht es studierte Pädagogen und Fachbücher usw. Das kann man nicht so einfach zu Hause machen. Die Amerikaner dürfen das aber auch, sagt Hulda, und die haben noch mehr Nobelpreisträger als wir. Würdemar schüttelt den Kopf. Dummes Huhn denkt er wohl mal wieder.

Hulda meint es ja gar nicht so ernst mit der Schule.

Aber die Frage wäre schon, warum in dieser Logik die Schulvorbereitung mehr und die Unterstützung in Krippe und Kindergarten weniger wert ist. Noch dazu, wo doch jetzt einige Leuchten auch noch fordern, dass Hartz-IV-Empfänger einfach umgeschult werden sollen. Ich möchte mal einen Metzger sehen, bei dem plötzlich ein arbeitsloser Banker im Formel-Eins-Tempo Schweine zerlegen soll. Das geht nicht. Stimmt. Aber auf die Kinder kann man alle loslassen? Nach dem Motto: Kaffee kochen und Kinder anschauen kann jeder. Vielleicht sollten aber auch die Rahmenbedingungen des BayKiBiG* im Blick bleiben. Resilienz zum Beispiel. Keine Ahnung? Fragen Sie doch mal die Erzieherin Ihres Vertrauens oder lesen Sie in der Konzeption Ihres Kindergartens!

Das Betreuungsgeld bringt einen auf komische Gedanken stellt Hulda fest. Die Idee im Bundestag erst einmal festzustellen, wer da ist und wer alles mit der Ministerin fehlt, hat gewaltiges Gegackere verursacht. Aber clever war es schon. Wie gesagt, das Betreuungsgeld bringt einen auf komische Ideen.

Vielleicht ist das Ganze ganz einfach: Man zahlt ein bisschen Geld, wenn die Kinder nicht in die Krippe und in den Kindergarten gehen. Zahlt man Geld,  weil man so viel Geld spart? Weil die gesetzliche Garantie auf einen Kindergartenplatz ein Vielfaches kosten würde? Die Erfinder des Betreuungsgeldes sind auf noch komischere Gedanken gekommen als die Gegner im Bundestag.

Kinder brauchen ihre Eltern. Und Kinder brauchen gute Krippen und Kindergärten, die die Eltern bei ihrer Aufgabe unterstützen. Und Fachleute kosten ihr Geld. Wie gesagt: Man könnte ja auch noch das Schulschwänzen bezahlen. Oder das Nichtarbeitengehen. Oder das Nichwählengehen. Oder das Nichtfußballspielen. Oder das NichtmitdemHandyfotografieren… Wie gesagt: Ideen kann man da haben… Hulda will Eiergeld. Und vor allem Nichteiergeld. Und noch mehr Nichtmehraneierdenkengeld!

Meint Hulda
 
(tw 06/2012)

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