Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das Fest des Huhnes

Administrator on Jun 01 2016

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda ist in diesen fußballverrückten Tagen ein alter Film eingefallen: das „Fest des Huhnes“, ein aus Österreich stammender Film, der auch in Österreich spielt. Der Film hat zunächst gar nichts mit Fußball zu tun. Dann aber doch irgendwie.

Vielleicht erinnert sich Hulda auch deswegen, da nach Cordoba, dem letzten fußballerischen Highlight unseres Nachbarn, dessen Teilnahme bei Wettbewerben ohne Schnee doch immer wieder überrascht. Auf jeden Fall: afrikanische Ethnologen besuchen diese benachbarte europäische Alpenrepublik, um die Gebräuche zu studieren. Eine Expedition mit bewaffneten Begleitern und Kameras erforscht die Schluchten und Alpwiesen. Bilder, die eher an eine Afrikaexpedition im 19. Jahrhundert erinnern, statt an einen Urlaub in den Alpen. Und es werden Menschen interviewt und Gottesdienste, Prozessionen und diverse Volksfeste besucht. Schlussendlich scheint für die afrikanischen Forscher alles darauf hinauszulaufen, dass man in diesem Land ganz besonders das „Huhn“ feiert und mit einer tiefen religiösen Haltung verehrt. Denn jegliche Festivität wird, so erkennen die afrikanischen Forscher, immer in einem Zelt mit Bier und gebratenen Hühnern vervollständigt.

„Das Fest des Huhnes“. Eine irre Filmidee, bar jeglicher Realität, so sollte man meinen. So schnell kann man glaubhaft vermitteln, wie eine ganze Kultur und ein ganzes Land falsch verstanden werden. Das ehemals erzkatholische Österreich wird schlagartig zu einer abartigen Ansammlung von Blasmusik hörenden und Bier trinkenden Agnostikern, die ein Huhn anbeten.

Doch Hulda überlegt sich, wie Forscher die gegenwärtige Religiosität angesichts der EM in Frankreich wahrnehmen würden. Da wird Schweinsteiger zum Fußballgott gekürt, weil er nach 5 Jahren doch mal wieder das Tor getroffen hat. Unnötig noch dazu, denn es stand schon 1:0. Er hätte das für einen wichtigeren Moment aufsparen sollen. Gar von Auferstehung und vielen anderen Dingen wird gesprochen. Vom Wettergott, vom erlösenden Tor in der Nachspielzeit, der Verdammnis der Trefferlosigkeit und der Beichte des Trainers über eine ungeschickte Aufstellung. Das „Fest des Balles“ würde wohl dieser Film heißen müssen, sollte er gedreht werden.

Doch Hulda muss nun aufhören, es geht gleich weiter mit dem nächsten Spiel. Und verpassen will man da keines. Doch irgendwie müsste das doch im Blick auf die Attraktivität der Kirche nachdenklich machen. Die katholische Jugend in Nürnberg hat bereits darauf reagiert und die Osternacht in diesem Jahr im Clubstadion gefeiert. Das richtige Thema am richtigen Ort, denkt sich Hulda. Auferstehung der Toten tut hier schon zu Lebzeiten Not.

Und vielleicht ist Fußball doch eine göttliche Gabe. Was nicht daran hindern sollte, zu überlegen wen man wo, wie tituliert.

Meint Hulda

(tw 06/2016)

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