Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das (H)unwort des Jahres

Administrator on Jan 01 2016

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda ist schon erstaunt, was alles so gekürt und gekrönt wird. Neben Dschungelcampkings und Containerriesenbrüdern, neben Monsterzierkürbissen und Häuserfassaden nun erneut Wörter des Jahres.

Insbesondere das Unwort des Jahres hat Hulda beschäftigt. Gutmensch. Gut, Hulda mag dieses Wort spontan auch nicht, weil es an Gutfried erinnert, die Hühner zum Fressen gern haben. Aber das Wort Gutmensch an sich als Unwort zu bezeichnen, hat eine spannende Diskussion hervorgerufen, die auch Hulda zum Huhnwort herausfordert. Stellen wir uns mal ganz dumm, denkt sich Huhn Hulda. Zerlegen wir doch mal das Wort: Gut und Mensch. Ein guter Mensch sein zu wollen, als guter Mensch dazustehen, gute Menschen um sich zu haben oder gar anderen Menschen Gutes zu tun, ist doch wohl, soweit es ein Huhn begutachten könnte, ein durchaus wertgeschätzter, menschlicher Wesenszug. So ähnlich wie christlich oder sozial oder demokratisch. Wie um alles in der Welt kann ein gutes Wort über gute Menschen zu einem Unwort werden?
Internet findet Hulda eine Erklärung: „Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" möchte das Sprachbewusstsein und die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Sie lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch…“.

Also der Gutmensch ist kein schlechtes Wort, sondern wird nur ungut gebraucht - gedankenlos eben und in einem seltsamen Zusammenhang. Der Franke an sich, denkt sich Hulda, hat ja auch so verquere Worte: „Du bist mir ein Schöner!“ Oder: „Du kannst mich zum Mondschein besuchen.“ Oder: „Mein Lieber, gleich geb' ich Dir!“ Oder: „Freundchen, dir zeig ich´s gleich…“

Wie kann man Unworte vermeiden? Hulda muss da gleich an noch so eine ungute Hühnergeschichte denken: Als ein Mensch einsah, dass seine Worte falsch waren und ein böses Gerücht verursachten, bat er um Vergebung. Der Geschädigte war locker und bat ihn, ein Huhn zu rupfen und die Federn auf dem Weg bis zum nächsten Ort zu verteilen. Gesagt getan. Und dann folgte der Auftrag, die ausgestreuten Federn alle wieder einzusammeln.

Manches Wort gehört wohl doch ab und zu auf die Goldwaage, damit es nicht großen Schaden verursacht und nicht zurückzunehmen ist.

Meint Hulda

(tw 01/2016)

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