Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das Reformieren

Administrator on Oct 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda ist schon erstaunt, wie schwer Veränderung ist. Da wollte letzthin der Bauer den Auslauf auf die andere Seite vom Stall machen. Was gab es da für ein Gegacker und Gemecker.

Erst als die lautesten Widerständler merkten, dass dort viel mehr Fressen zu holen war, gab es endlich Ruhe. Aber nur kurze Zeit, denn die ersten wussten schon wieder alles besser: dies habe ja alles nur den einen Zweck, die Produktion zu erhöhen, und früher war eh immer alles besser.

Hulda war sich sicher, so was gibt es nur bei dummen Hühnern. Doch dann stieß sie auf folgende Aussagen: „…Wer sich nicht selbst kritisiert und sich auf den neuesten Stand bringt und verbessert, ist ein kranker Körper.“ Ursache dafür sei „spirituelles Alzheimer“, „geistige Versteinerung“, „Pathologie der Macht“, „Vergötterung der Chefs“ und „existenzielle Schizophrenie“ verbunden mit Verleumdung, Diffamierung und Streben nach weltlichem Erfolg. Anscheinend gibt es mehr Orte auf dieser Welt, an denen echte Veränderung schwer fällt. Hulda musste sich mehrfach überzeugen, dass hier nicht vom Neuaufbruch bei VW oder bei der Deutschen Bank die Rede war. Auch Huldas Vermutung, das wäre eventuell aus einer Reformationspredigt der Evangelischen, wurde enttäuscht.

Die scharfen, selbstkritischen Worte stammen aus Rom von Papst Franziskus, der mit der reformunwilligen Kurie ins Gericht ging. Nach fast 500 Jahren kommt Kritik offensichtlich doch dort an, wohin sie ursprünglich einmal von Martin Luther gedacht war.

Doch warum mit dem Finger auf andere zeigen? Hulda weiß, dass eigentlich nur Kriege, Katastrophen und Finanznot echte tiefgreifende Veränderung bewirken. Erst wenn die Zukunft in Frage steht, tut man etwas radikal Anderes, das die Zukunft neu ermöglicht. Grüne oder gar blaugestreifte Eier statt der weißen und braunen ist nur ein Spiel mit den Verpackungen. Doch was wäre eine echte Reform und Veränderung? Die dicke Berta hat von einer Freundin erzählt, die sich mit einem Vogel Strauß auf eine Liaison eingelassen hatte. Zunächst waren die Kopf- und Sandspielchen ganz amüsant. Das dicke Ende hatte sie jedoch nicht wirklich einkalkuliert.

Wie also Reformen herbeiführen? Ein alter Spruch aus dem „Change Management“ - also aus der Veränderungslehre - sagt: Frage nicht die Frösche, wenn Du den See ablassen musst.

Nur wer, so fragt sich Hulda, darf die Entscheidung dann treffen? Wer darf die Betroffenen außen vor lassen? Und mit welchem Ziel darf man verändern? Und wem gesteht man am Anfang einer Veränderung zu, die „wahre“ Minderheit zu sein? Den Pegidademagogen sicher nicht. Dem IS erst recht nicht. Und dann wird’s schon fast ein wenig schwierig mit dem Schwarz und Weiß, mit Wahr und Unwahr…

Hulda ist gespannt auf die Reformationspredigten 2015. Vielleicht helfen die dann etwas weiter. Wobei, ein Satz ist für Hulda jetzt schon gesetzt: „Wer die Wahrheit nicht sieht, ist ein Dummkopf. Wer die Wahrheit kennt und sie verschweigt, ist ein Verbrecher!“. Aus dem „Leben des Galileo Galilei“ von Bertold Brecht.

Meint Hulda

(tw 10/2015)

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