Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und das schöne Fasten

Administrator on Feb 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda kämpft ja immer noch mit dem Zusatzgewicht von Weihnachten 2014. Gott sei Dank ist wieder Fastenzeit.

Jetzt nach Aschermittwoch ist nicht alles vorbei, sondern es geht richtig los. Die sechste Jahreszeit, quasi. Die Fernsehzeitungen sind schon voll mit Fastenkuren und Wundermitteln, die schnell und unkompliziert die Bikinifigur wiederherstellen sollen, die man noch nie hatte. Hulda weiß selbstverständlich auch um den Jo-Jo-Effekt: also erst Völlerei bis zum Anschlag, Erschrecken und Erkenntnis mit Gewaltabmagern und dann gleich wieder zunehmen und immer ein bisschen mehr als vorher.

Hulda hat mal ein wenig recherchiert. Das Fasten nach dem Aschermittwoch hatte und hat in den Kirchen aber weniger mit unnötigen Pfunden, die einem anvertraut sind, zu tun. Zum einen war in vielen Jahrhunderten die Ernährungslage für 99% der Menschen so desaströs, dass immer wieder Menschen verhungert sind, was sich in weiten Teilen der Welt bis heute übrigens nicht wirklich geändert hat und zum anderen ist das Fasten in fast allen religiösen Kulturen eine Form der Selbstbeherrschung und Übung der Frömmigkeit. Zu Beginn des Christentums wurden nach einem Jahr Vorbereitung die neuen Gemeindeglieder am Ostersonntag getauft. Und vorher galt es, seinen Glauben unter Beweis zu stellen und 40 Tage zu fasten. Diese Tradition wurde beibehalten, als es schon längst üblich war, kleine Kinder zu taufen. Und manche meinen, die Fastenzeit vor Ostern hatte auch ganz praktische Gründe. Da die Vorräte in früheren Zeiten ohne Einkaufsmarkt und Tiefkühltruhe eh am Ende waren, konnte man aus der Not eine Tugend machen, und auf das verzichten, was man eh nicht mehr hatte.

Wie auch immer. Hulda überlegt, ob es neben dem Gewichtsverlust nicht auch eine positive Deutung von Verzicht geben könnte. Nicht leidvoll verzichten, sondern ganz bewusst etwas zu lassen, um anderes mehr wertzuschätzen. Vorschläge gibt es auch für 2015. „Du bist schön. 7 Wochen ohne runtermachen“. Dazu lädt „7 Wochen ohne“, die Fastenaktion der evangelischen Kirchen, ein. Wobei etwas an Pfunden runtermachen, fände Hulda trotzdem nicht ganz verkehrt. Dennoch, das Motto lenkt den Blick auf uns selbst und auf den Nächsten. Gut, denkt sich Hulda, vielleicht versuche ich, der dicken Berta nicht immer einen lästerlichen Blick zuzuwerfen, wenn sie wieder gackert, ohne vorher nachgedacht zu haben. Vielleicht schaffe ich das. Wenigstens ab und zu. Das wäre doch ein Plan für die nächsten Wochen. Aber die Haltung gegenüber den vielfältigen und einzigartigen Sensationen auf dem Bauernhof grundsätzlich zu verändern, das wird wohl länger brauchen als 7 Wochen. Da ist sich Hulda ganz gewiss. Und es könnte sein, dass es Hulda noch leichter fallen würde, wenn sie es auch erleben würde, dass ihr jemand sagt, dass sie einfach nur schön ist. Aber davon wird ein dummes Huhn noch lang träumen.

Ach ja - Hulda fällt ein: Advent war früher auch eine Fastenzeit. Das mit den unnötigen anvertrauten Pfunden an Weihnachten und dem Fasten nach Aschermittwoch könnte man sich sparen, wenn man sich im Dezember halten würde. Das wäre auch schön.

Meint Hulda.

(tw 02/2015)

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