Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und der Kniebeugestreit

Administrator on May 01 2013

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda ist erstaunt, was in den Geschichtsbüchern so alles zu finden ist. Kennen Sie den Kniebeugestreit von 1838?

Der bayerische Minister Karl von Abel gab einen Erlass heraus. Der beinhaltete, dass auch die protestantischen Soldaten auf der Wache bei der Fronleichnamsprozession vor dem katholischen Allerheiligsten eine Kniebeuge machen müssen. Das Kommando lautete: „Aufs Knie!“ Hulda kann sich die Empörung der bayerischen Protestanten vorstellen. Aber Befehl ist Befehl. Und der katholische bayerische König war nicht nur der oberste Heerführer, sondern zugleich auch so etwas wie der Bischof der protestantischen bayerischen Kirche. Es gab dennoch richtig Stress. Der Erlass wurde 1844 entschärft und 1845 aufgehoben. Jedoch gingen die Streitigkeiten um die Kopfbeugung aus gleichem Anlass weiter. Noch 1892 findet sich ein Schreiben des königlich protestantischen Oberkonsistoriums an das Innenministerium, dass doch bitteschön Protestanten zur Spalierbildung bei der Fronleichnamsprozession nicht kommandiert werden sollen.

Hulda staunt mal wieder. Was es nicht alles gab und gibt. Und ihre weiteren Recherchen ergeben, dass die Fronleichnamszüge bereits 1317 in der ganzen abendländischen Kirche begangen wurden. Bei diesem Umzug, vielleicht sollte Hulda das noch kurz erklären, wird eine geweihte Hostie in einer Monstranz, einem schmuckvollen Rahmen, durch die Straßen getragen.

Selbstverständlich hat auch Martin Luther zunächst das Ganze mitgefeiert. Erst im Laufe seiner theologischen Entwicklung und der Klärung seines eigenen Verständnisses des Abendmahls ist er dazu in Distanz gegangen. Für Protestanten ist außerhalb der gottesdienstlichen Feier - im Unterschied zum katholischen Verständnis - Gott in der Hostie nicht gegenwärtig. Und von daher gibt es keinen Grund, diese Hostie (Abendmahlsbrot) besonders zu zeigen.

Beim evangelischen Kirchentag 2007 in Köln hatte man dann ein ganz praktisches Problem, wie Hulda erstaunt herausfand. Wie kann man durch Tausende von Protestanten eine katholische Prozession führen, ohne einen ökumenischen Stau zu verursachen? Eine gemeinsame Prozession kam und kommt ja nicht in Frage. Ausfallen konnten die Kölner das Ganze ja auch nicht lassen, nur weil die Evangelischen ihren Kirchentag auf den Fronleichnam gelegt hatten.

Man löste die Frage mit ökumenischem gegenseitigem Respekt. Ein Ausspruch von EKD Ratspräsident Nikolaus Schneider: „Wir demonstrieren ökumenische Gelassenheit.“
Das ist doch zumindest mal ein Anfang, meint Hulda. Im Gegensatz zu früher, wo in gemischt konfessionellen Gebieten protestantische Bauern mit dem Mistwagen entlang des Prozessionsweges die Felder frisch gedüngt haben.

Vielleicht findet sich irgendwann in den Geschichtsbüchern die Meldung: Evangelische feiern mit Papst Abendmahl beim evangelischen Kirchentag Aber auch an diesem Thema unterscheiden sich Optimisten und Pessimisten nur geringfügig. Die Optimisten sagen: vielleicht geschieht dies noch in diesem Jahrtausend. Die Pessimisten dagegen unken, in diesem Jahrtausend passiert das sicher nicht mehr. Die Geschichte wird es weisen.

Meint Hulda

(tw 05/2013)

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