Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und der nahe Osten

Administrator on Nov 01 2013

Der nahe Osten ist näher als man denkt.

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda staunt, wie schnell das europäische Zusammenwachsen funktioniert. Kaum ist die Völkerschlacht vorbei, durften wir 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Frankreich feiern. Mit Britannien wird es dagegen noch ein bisschen dauern, da nicht nur der Kanal, sondern vor allem die abgehörten Kanäle der Bundeskanzlerin für andauernde Verstimmung sorgen.

Andererseits ist man sich in Europa einig, dass die Afrikaner doch bitte in Afrika bleiben sollen. Und das Flüchtlingselend in Syrien muss zwar gelöst werden, aber doch bitte nicht mit Wohnheimen inmitten Europas und störend für die friedliche Bürgerlichkeit.

Hulda fällt auf, dass es dennoch noch etwas kriselt mitten in Europa. Auf einmal finden sich neue europäische Brüder und Schwestern und insbesondere ihre Kinder mitten unter uns. Hulda hat sogar von einer Migrationsklasse in der örtlichen Grundschule gehört. Hulda ist gespannt, ob dort die Qualität des Unterrichts genauso intensiv von außen beachtet werden wird, wie in der Vergangenheit. Und Hulda hat von Anfragen gehört, dass Angehörige einer religiösen Gemeinschaft auf der Suche nach einem Gottesdienstraum sind. Die Parkplatzproblematik und das Versammlungsstättengesetz sind halt einfach einmal so, wie sie sind. Hühner dürfen auch nicht überall gackern. Das muss man einfach mal sagen dürfen.

Hulda freut sich schon, wenn bald erste Forderungen nach einem bilingualen Kindergarten „rumänisch-deutsch“ laut werden. Damit dann die Industriemeister von morgen auf Augenhöhe mit den zukünftigen Arbeitskollegen kommunizieren können.

Fakt ist aber auch, das hat Hulda mit eigenen Augen gesehen, dass die neuen zuziehenden EU-BürgerInnen am Existenzminimum knapsen und wöchentlich bei der Tafel zu finden sind. Und auch nicht immer so, dass alle darüber glücklich sein könnten.
Und Hulda hat schon interessante Theorien gehört: Die rumänischen Mitbürger sind nur nach Rehau kommen, um sich über das Kindergeld und andere Sozialleistungen einen besseren Lebensstandard zu erschleichen. Mal abgesehen davon, was es als Großfamilie bedeuten muss, nur vom Kindergeld zu leben, ist dies doch eine clevere unternehmerische Aktion. Oder etwa nicht? Wenn ein Weltmarktführer zusammen mit einem anderen Weltmarktführer im EU- Nachbarland ein Werk baut, weil dort die Gewinnaussichten, vielleicht auch durch niedrige Löhne und Subventionen, hoch sind, dann hört Hulda nur anerkennende Worte über die unternehmerische Weitsicht.

Merkwürdig, denkt sich Hulda - wenn eine Mutter und ein Vater aus kleinstunternehmerischer Sicht nach Rehau expandieren, um dort maximale Unternehmensgewinne in Form von steuerfinanziertem Kindergeld zu erwirtschaften, dann hört man wenig von Lob über eigenverantwortliche unternehmerische Qualität.
Spannend ist für Hulda, wie nun kommunalpolitisch das Zusammenleben aktiv gestaltet werden kann. Es wäre doch eine Idee, so spinnisiert sich Hulda zusammen, wenn in dem neu geplanten bilingualen Kindergarten gleich die Kompetenzen der rumänischen Kinder und deren Eltern mit integriert werden könnten. Somit wäre bereits ab der Krippe eine völkerverständigende europäische Nation am Zusammenwachsen. Und unter der Europaflagge könnten sich zukunftsfördernde Visionen großräumig weiterentwickeln. Sicher würden dann noch weitere Großfamili

en zuziehen und die magische 10.000-Einwohnergrenze der Stadt wäre wieder in Sicht.
Ach ja, manches klingt so einfach - wenn der Osten Europas auf einmal nicht so verdammt nahe wäre…

Meint Hulda

(tw 11/2013)

© 2007-2018 Thomas Wolf | Keine Verwendung, Nachdruck etc. ohne Genehmigung der Autoren | created with WBCE.org | This site was last modified on 23/05/2018 at 18:58.