Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und der Wettergott

Administrator on Jul 01 2011

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Also Hulda hat gelernt: Wiesenfest ist Kult. Nach einer Schulinspektion vor fast 200 Jahren gab es ein großes Kinder und Jugendfest. Hulda ist begeistert.

Nur fragt sich Hulda, warum denn dann 4000 Menschen in einem Zelt sitzen und bei ohrenbetäubendem Lärm Bier trinken müssen? Gut es hat viel geregnet. Da war das große Zelt gar nicht schlecht. Und vielleicht, so hat sich Hulda überlegt, stehen ja gar nicht mehr die derzeitigen Kinder im Mittelpunkt. Es könnte ja sein, dass es nur um die ehemaligen Kinder geht. Also die jetzt schon ein bisschen älter und größer geworden sind? Weil die sich dann nach einigen Bieren wieder aufführen dürfen wie Kinder, ohne dass man ihnen deswegen böse ist. Und es gibt ja immerhin sinnvolle Freizeitbeschäftigungen für die echten Kleinen, pädagogisch wertvoll und sinnstiftend, um das Zelt herum. Hulda hat den Stand mit den großen Plastiktraktoren richtig lieb gewonnen.

Eines ist Hulda noch aufgefallen. Das Wiesenfest scheint auch einen zutiefst religiösen Hintergrund zu besitzen. Ein altes Kultfest, das sich vor allem am Wetter fest macht. Hulda hat gehört, dass der Pfarrer aus der Siedlung vom Stadtoberhaupt um gutes Wetter gebeten wurde. Über die Tarife weiß Hulda jedoch nichts. Wobei, böse Stimmen behaupten, der Bürgermeister hat das nur deshalb getan, weil es bei seinem Vorgänger nie geregnet hat. Es ist aber auch nicht klar, wie der das damals gemacht hat.

Dann hat es aber trotzdem geregnet. Merkwürdig, da doch alle Rehauer zuhause eifrig um gutes Wetter gebetet haben und deshalb den eigentlichen Festgottesdienst zum Wiesenfest verpassten. Es kam wie es kommen musste. Und so war am Dienstag nach dem Wiesenfest in der Frankenpost zu lesen, dass der Wettergott nur begrenztes Einsehen mit hatte.

Hulda ist ja keine Theologin. Hulda ist auch keine besonders eifrige Kirchgängerin. Aber sie wüsste nicht, dass ein Wettergott in den Kirchen verehrt wird. Hulda hat sich schlau gemacht: Im alten Orient gab es einen Wettergott. Er wurde Baal genannt. Baal taucht zwar in der Bibel auf, aber eher negativ. Nach einem Streit ums Feuermachen, erschlug Elia, der Prophet Gottes, 450 Baalspriester auf einen Streich.

Hulda findet das Ganze gemein: Egal, ob Gott nun auf Wettergebete hört oder nicht. Hulda würde an seiner Stelle nicht hinhören. Wie kommt denn das an, wenn immer nur am Donnerstagnachmittag das Wetter fürs Wochenende interessant ist? Und sonst ist es den Meisten egal, welche Rolle Gott im Leben spielen darf? Gleichgültigkeit ist noch schlimmer als Ablehnung. Und Gott nur aufs Wetter zu reduzieren ist ähnlich wie wenn man ein Auto wegen den Scheibenwischern kauft.

Trotzdem: So ein Baal mit Helm und zwei Stierhörnern wäre ein netter Anblick im nächsten Wiesenfestzug. Und Anhänger des Wettergottes, die nackt um den Wagen tanzen wie im alten Orient, - da gäbe es Menschen zum Festzug, egal ob mit oder ohne Regen.

Meint Hulda

(tw 07/2011)

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