Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und Diakonie

Administrator on Mar 01 2008

200 Jahre * J.H.Wichern

Hulda, nennen wir das Huhn, einfach mal so. Hulda hatte am 22.3.08 ihren ersten Geburtstag. Und Namenstag hatte sie auch, am 10. April. Aber, bei Hühnern merkt das keiner.

Obwohl in letzter Zeit viel los war auf dem Hof. Ständig Besuch. Täglich mehrfach braust ein kleines rotes Auto auf das Einzelgehöft. Hulda muss aufpassen, dass sie den roten fliegenden Kisten nicht in die Quere kommt. Was die machen? Die besuchen die alte Bäuerin, die seit einiger Zeit nicht mehr in den Hühnerstall kommt. Anscheinend geht es ihr nicht so gut.

Was Hulda übrigens wundert ist das merkwürdige Zeichen auf den roten Flitzern. Ein Kreuz mit Henkeln. Und ihr Cousin Waldemar aus der Stadt hat ihr erzählt, das hängt auch an Häusern. An Kindergärten und am Kinderheim. Auch die anderen Verwandten der Würdemar und der Hättmermar wissen Bescheid. An vielen Häusern, wo Alten und Kranken, wo Jugendlichen und Familien geholfen wird hängt dieses Henkelkreuz. Hulda ist neugierig. Und ihre Recherche ergibt: Kein Henkel, eine Krone schmückt das Kreuz. Es ist das Zeichen der kirchlichen Diakonie. Das Kronenkreuz wird heute als Zeichen der Ermutigung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Diakonie gesehen: Das Kreuz als Hinweis auf Not und Tod, die Krone als Zeichen der Hoffnung und Auferstehung. Die Verbindung von Kreuz und Krone sollte die Zuversicht befestigen, dass Not zu überwunden werden kann, weil Christus Not und Tod überwunden hat.

Und noch etwas hat Hulda erfahren: Das Kronenkreuz war das Zeichen der Inneren Mission. Der Initiator Johann Hinrich Wichern hätte am Montag, den 21.4. 200. Geburtstag. Wichern war einer der Väter der Diakonie in Deutschland. Geholfen haben sich die Menschen schon (fast) immer, aber Wichern hat das organisiert. Zuerst für Straßenkinder im Rauhen Haus in Hamburg 1833 und dann 1858 im Knast in Berlin. Letzteres war etwas heftig gewesen. Aber Käfighaltung ist auch bei uns erst in den letzten Jahren ins Gerede gekommen.

Wichern hat 1848 die Gesellschaft für Innere Mission ins Leben gerufen. Bis der Staat mit geeigneten Maßnahmen hilft, sollte die Innere Mission einspringen. Die eigentliche Aufgabe, die Verkündigung der frohen Botschaft kann aber erst gelingen, wenn die materiellen Probleme gelöst sind. Es sollen so die Rettungsbedürftigen innerhalb der Christenheit erreicht werden.

Na die alte Bäuerin wird sich bedanken, denkt Hulda. Aber gut tun wird ihr der Besuch der Diakonie trotzdem. Wichern sei Dank. Helfen ist die andere Form der Predigt. Ob an Huldas 200 Geburtstag noch jemand an sie denkt?

(tw 03/2008)

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