Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Besinnlichkeit

Administrator on Nov 01 2011

oder: Das Feuerwerk der Besinnlichkeit…

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda freut sich auf den Dezember. Die Lichter in den Straßen, die Märkte, die geheimnisvolle Stimmung. Hulda ist begeistert. Manches kann man von den Menschen ndoch noch lernen.

Eines jedoch irritiert Hulda. Alle Menschen reden von der stillen Zeit. Stille, also Unhörbarkeit oder Lautlosigkeit oder Geräuschlosigkeit oder Schweigen oder Stummheit oder Schweigsamkeit. Hulda wundert sich. Zeit der Stille sagen alle. Und eigentlich sollte man dann doch nichts hören. Oder weniger hören. Oder genauer hören können. Hulda traut ihren Ohren nicht. Bei allem Glänzen und Leuchten wummert ein ständiger Geräuschpegel. Die Adventsmärkte überflutet vom Schall der besinnlichen Lieder. Glühweinbuden überströmt mit den Belanglosigkeiten der Gespräche über Preise und Schnäppchen. Vereinsfeierlichkeiten überdeckt von Stimmungskanonen, die nicht recht wissen, ob denn schon Weihnachten ist oder was. Hulda mag die Lichter und die Märkte im Dezember. Aber Hulda vermutet, dass die Menschen die Dunkelheit im Winter einfach nicht aushalten. Wie im Keller tauchen merkwürdige Schatten auf. Vielleicht Schatten aus dem eigenen Ich. Von ganz innen kommen die manchmal. Und wie Pfeifen im Keller, helfen vielleicht der Rummel und das hektische Geflatter, die eignen Fragen zu überdecken. Statt stille Zeit veranstalten die Menschen ein Feuerwerk der Besinnlichkeit. Größer, weiter, anders, lauter und überhaupt. Hulda versteht die Menschen, die gerade in dieser Zeit nicht allein sein möchten. Hulda versteht die Menschen, die gerade in dieser Zeit Ansprache brauchen.

Und trotzdem fragt sich Hulda, warum scheinbar kaum Zeit zum Innehalten vorhanden ist. Die Menschen hetzten von einem Besinnungstermin zum anderen. Von einer Besinnlichkeitsvorbereitung jagen sie zur nächsten.

Hulda hat eine Idee. Hulda verschenkt Gutscheine. Hulda verschenkt einen Gutschein mit Zeit für Stille. Einfach so. Unbegrenzt haltbar. Immer wieder einsetzbar. Denn nichts ist weltweit so gerecht verteilt wie die Zeit. Jeder und jede hat jeden Tag 24 Stunden Zeit. Alle gleich viel. Und da müssten doch gerade in der stillen Zeit jeden Tag fünf Minuten Stille drin sein. Oder?

Meint Hulda

(tw 11/2011)

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