Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Ewigkeit

Administrator on Nov 01 2012

Hulda nennen wir das Huhn einfach einmal so. Also Hulda ist schon platt. Da hat man jahrelang behauptet, der moderne Mensch beschäftigt sich nicht mit dem Tod.

Die Menschen im 21. Jahrhundert verdrängen die Frage der eigenen Sterblichkeit. Und auf einmal, mitten zur besten Sendezeit, eine ganze Woche „Leben mit dem Tod“ auf ARD. Passend im November, passend zu den vielen Gedenktagen um Sterben und Tod herum. Auf einmal können die Menschen nicht mehr richtig aus. Plötzlich flackert das Thema mitten ins Wohnzimmer. Für Hulda und ihre Weggefährten ist der Tod vielleicht auch deutlich gegenwärtiger. Zum einen haben Hühner eine kürzere Lebenserwartung an sich und dann ist da immer das Damoklesschwert, oder besser das Beil über ihnen, wenn es an die Grundversorgung der Eigentümer geht. Die anderen kleinen Versuche der Sterbehilfe bei einem querdenkenden Huhn lassen wir mal außen vor.

Nun also „Leben mit dem Tod“. Was für ein Titel denkt sich Hulda. Nicht am Ende des Lebens der Tod - oder: Umgang mit dem Sterben. Nein, das alles nicht, sondern: „Leben mit dem Tod“. So wird ganz alltäglich bewusst, dass der Tod einfach ist. Wir leben mit unserer Sterblichkeit und dem Sterben der anderen. Irgendwann und schon immer. Eine Aussage ist Hulda besonders hängen geblieben: Ich fürchte mich nicht vor dem Tod, sondern vor dem Sterben, hat einer gesagt. Tiefsinniger geht es kaum mehr. Zu erschreckend ist ein Ende mit Schmerzen und Qualen. Wobei, und auch das findet Hulda beeindruckend, gerade in dieser Themenwoche wird viel Wert darauf gelegt, die neuesten Erkenntnisse der Palliativmedizin, der Schmerztherapie und der Sterbebegleitung durch Hospize und Angehörige zu beschreiben.

Die Frage nach dem Tod bzw. genauer: die Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, rückt offensichtlich immer weiter weg. Gott sei Dank sind die Gruselgeschichten eines furchteinflößenden Gottes, der nach dem Tod nichts Besseres zu tun hat, als seine Geschöpfe zu quälen, eingedämmt. Gott ist hoffentlich ein bisschen Franke, denkt sich Hulda. Weil, wenn ein Franke etwas richtet, dann richtet er es zu Recht. Es wird seinem ursprünglichen Sinn und seiner ursprünglichen Bedeutung wieder zugeführt. Ein gnädiges Gericht aus Glauben, wie es Luther gesagt hat, und kein Strafgericht nach Werken. Auch wenn die Hölle auf dem Bild von Rubens in der Alten Pinakothek in München noch so beindruckend wirkt.

Nachdenklich stimmt Hulda aber schon, dass laut Umfragen die Mehrheit der Christen mit einem Leben nach dem Tod überhaupt nichts mehr anfangen kann. Wenn das wirklich so ist, dann könnte man den Hühnern die Eier doch lassen und müsste nicht gleich nach dem Fasching anfangen, überall bunte Eier aufzuhängen. Keine Sorge, Hulda weiß schon, dass dieser heidnische Brauch nur übernommen wurde. Aber wenn nur noch Heidentum hinter all dem Osterzeugs steckt, dann kann man diesen Brauch doch auch wieder lassen. Und Weihnachten auch gleich. Oder?

Meint Hulda.

(tw 11/2012)

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