Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Fastenzeit

Administrator on Mar 01 2012

Ich wollt, ich wär ein Hai- oder ein Zwerg, oder sieben…

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda hat mal wieder gepennt. Jetzt ist Aschermittwoch und die Fastenzeit beginnt.

Das letzte Ausbüchsen vor dem Verzicht, das letzte Fleisch vor dem carne vale, lat. Fleisch lebe wohl. Früher zumindest war das so mit dem Fleisch.  Sieben Wochen fasten bis Ostern und alles ist vorbei. Der Karneval am Rhein, der Hexensprung am Bodensee und der Fasching in Oberfranken.

Hulda hätte auch gerne mal eine Maske aufgesetzt. Mal ganz anders sein als sonst. Wobei, Hulda hat den Eindruck, manche zeigen mit Maske erst ihr eigentliches Gesicht. Also gewissermaßen eine Maske über der Maske und damit wieder ohne Maske. Es scheint Hulda, als ob die Masken die Menschen mehr demaskieren als verkleiden. Masken zeigen das wahre Gesicht, obwohl sie das Gesicht verhüllen.  Oder vielleicht auch nur den innersten Wunsch und Traum? Vielleicht liegt es aber auch an den vergorenen Getränken.

Dennoch, mancher, der im Leben ganz ruhig und unauffällig ist, bricht im Fasching so richtig aus sich heraus. Er wird zu dem, was er sein will und nicht sein kann oder darf oder soll. Was Hulda im Fasching für Seeräuber, Tiere oder Prinzen gesehen hat. Manche hat Hulda gehört, verkleiden sich gar als Mönch oder Sträfling. Über deren Psychoanalyse könnte man nun trefflich spekulieren.

Was machen die Menschen jetzt nach Aschermittwoch? Setzen alle die alten Masken wieder auf? Verkleiden sich wieder alle, nehmen die Maske ab und zeigen die Maske unter der Maske?

Hulda hat gehört, dass die evangelische Kirche ab Aschermittwoch wieder die Aktion „7 Wochen ohne“ startet. Vielleicht ist damit „7 Wochen ohne Masken“ gemeint? Nicht nur für einige tolle Tage das wahre Gesicht zeigen, sondern gleich nochmal sieben Wochen hinterher. Wobei mancher hat ja eh immer mehrere Gesichter, bzw. Masken. Der eifrige Schaffer im Büro mutiert am Abend und am Wochenende zum Spezialisten für Betriebsumstrukturierungen und arbeitet lösungsorientiert für die Bundesregierung an der Stabilität des Euros mit. Manche werden am Abend sogar zu kleinen Revolutionären. Gerne auch anonym, mit einer anderen Maske halt.

Hulda ist froh, dass sie von so vielen für ein einfach gestricktes Huhn gehalten wird. Hulda findet: Es ist kompliziert mit den Menschen. Da tragen einige eine Maske im Alltag und dann tragen sie eine Maske über der Maske und zeigen trotzdem ihr wahres Gesicht. Das soll man erst einmal verstehen.

Hulda fände „7 Wochen ohne Masken“ einen Versuch wert. Auf Augenhöhe, wertschätzend und verständnisvoll, von Gesicht zu Gesicht gewissermaßen. Nur am Sonntag darf man das Fasten brechen. Nur am Sonntag darf man dann die Maske wieder aufsetzen, wenn man will. Oder die, die etwas anderes fasten, dürfen ihre Masken einmal abnehmen. Aber nur am Sonntag. Je nach dem.

Hulda freut sich auf die maskenfreie Zeit.  Und darüber hinaus: Hulda nimmt sich fest vor, es nächstes Jahr selber auszuprobieren. Mit der Maske über der Maske. Wenn nicht als Zwerg, dann vielleicht als Hai? Feiern froh und haiter.

Meint Hulda

(tw 03/2012)

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