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Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Feiertage

Administrator on Oct 01 2016

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda ist ganz begeistert von der neuesten Feiertagsinitiative in der Region. Hulda hat vor Kurzem gelesen, dass der Reformationstag am 31. Oktober nicht nur 2017, sondern dauerhaft zu einem arbeitsfreien Feiertag werden soll.

Für alle, denen dieser Tag eher durch maskierte und Süßigkeiten erpressende Küken bekannt ist, soll darauf hingewiesen werden, dass seit vielen Jahren an diesem Tag die Lutheraner des Beginns der Reformation gedenken. Wobei auch dieses Ereignis, ebenso wie die Maskenumzüge, ursprünglich mit dem Allerheiligentag am 1. November zusammenhängen, aber das würde hier zu weit führen. Nur so viel: Luther wollte die Touristenströme in Wittenberg am Allerheiligentag nutzen und hat deshalb am Vorabend, eben am 31.10., seine Thesen ans Schwarze Brett genagelt.

Wie auch immer. Hulda findet freie Tage gut. Und ganz entgegen dem allgemeinen Volksglauben legt Hulda am Sonntag eher selten zwei Eier. Auch Hulda nutzt die freien Tage zum Ausschlafen. Zum Frühstücken mit der Familie, so denn mal wirklich wieder alle da sind und keiner arbeiten muss. Und Hulda plant auch gerne Ausflüge und Unternehmungen an den Feiertagen. Hulda ist da nicht viel anders als viele andere.

Aber Moment, denkt sich Hulda. Warum sollte man dann eigentlich einen weiteren kirchlichen Feiertag einrichten, wenn der ursprüngliche Anlass der Tage gar nicht mehr so richtig begangen wird? Nicht, dass Zeit für die Familie oder Zeit für sich selber gegen den christlichen Gedanken der Nächsten- und Eigenliebe wäre. Doch wenn Menschen die Feiertage nicht mehr im ursprünglichen Sinn zum Gottesdienst nutzen, versteht Hulda jede und jeden, der dann keine Veranlassung sieht, diese Tage als Feiertage weiterhin besonders zu schützen und arbeitsfrei zu stellen.

Hoffentlich, denkt sich Hulda, geht der Schuss nun nicht nach hinten los.

Überhaupt, sinniert Hulda, wäre es in einer säkularen Welt nicht geschickter, man würde alle Feiertage grundsätzlich als zusätzliche Urlaubstage gewähren? Dann könnten alle selber entscheiden, ob sie am 24.12. oder am 31.12. arbeiten oder frei machen, ob sie in die Kirche, in den Wald oder sonst wohin gehen wollen.
Der Untergang des christlichen Abendlandes wäre trotzdem nicht in Gefahr. Hulda weiß von ihrer Tante aus Amerika, dass das Christentum dort auch ohne ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag, und sogar ohne Ostermontag und Pfingstmontag, keineswegs dem Untergang geweiht ist. Wenn sich Hulda in den Kirchen an diesen Tagen umsieht, gibt der Kirchenbesuch nicht notwendigerweise einen Grund, diese Tage als ausdrücklich christliche Feiertage weiter zu schützen.

Auf der anderen Seite genießt es Hulda sehr, auch ohne Gottesdienst, dass an diesen Tagen das Leben einfach ruhiger und langsamer stattfindet. Weniger Verkehr, weniger Anrufe. Sollte man auf diese Tage wirklich verzichten?

Vielleicht wäre es überzeugender, die bestehenden Feiertage im Sinne des Erfinders zu nützen? Indem man tatsächlich in der Gemeinschaft feiert und innehält und sich bewusst macht, was Ostern, Pfingsten und Weihnachten bedeuten. Damit könnte die Abstimmung mit den Füßen ein Signal setzen, das tatsächlich auch alle Kritiker überzeugt.

Meint Hulda

(tw 10/2016)

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