Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Freiheit

Administrator on May 01 2011

Hulda und die Freiheit - oder: nach dem Fest ist auch noch Fest…

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda findet Ostern richtig klasse. Auch wenn ihr Cousin Würdemar behauptet, Ostern sei schon lange vorbei.

Hulda feiert jetzt mit Ihren Freundinnen Ostern. Jetzt, wo der ganze Stress vorbei ist. Und Hulda hat gehört: eigentlich hat sie Recht.

Die Osterfestzeit endet nach 50 Tagen. Also am 11. Juni 2011! Aber Gott sei Dank weiß das keiner mehr so recht. Sonst ginge der Stress mit den Eiern weiter oder vielleicht erst so richtig los. Es wäre aus mit der nachösterlichen Ruhe im Hühnerstall. Und überhaupt, wie sieht das denn aus: Anfang Juni im Schwimmbad Ostereiersuchen…

Würdemar würde sich kringeln vor Lachen. Aber egal - Hulda liebt Ostern. Das Fest der Freude, das Fest der Freiheit von den Fesseln des Todes. Die Feier des Lebens. Nur in diesem Jahr war die Osterzeit etwas getrübt. Nachdem Fukushima schon fast vergessen war und die anderen Schreckensbilder die übliche Halbwertszeit von 15 Minuten Tagesschau nicht überlebt hatten, kam eine freudige Nachricht, die aber sehr schnell wieder im Hals stecken blieb.  Kurz nach Ostern, inmitten der Feier des Lebens kam die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens. Manche machten daraus „Obama Bin Laden“, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, eher was für Germanisten oder Psychoanalytiker.

Osama Bin Laden, der Erzfeind seit dem 11.9.2001, ist tot.

Und plötzlich gab es in der deutschen Republik die Todesstrafe wieder. So schien es. Wer hat nicht alles die Lynchjustiz offen oder schlecht verdeckt bejubelt?

Hulda ist da ja einiges gewöhnt, der Hähnchengrill in ihrer neuen Heimat hat viele Fans, aber trotzdem. Hulda fragt sich, wo denn die Errungenschaften der modernen Demokratie geblieben sind? Die Gewaltenteilung von Exekutive und Judikative zum Beispiel. Oder die Unschuldsvermutung bis zur Urteilsverkündung? Ja, ja, Hulda kann nicht nur gackern und googeln, Hulda denkt auch nach. Also was ist mit den Werten, die in diesem Land so hochgehalten werden? Ist Faustrecht und „Auge um Auge“ nur an städtischen Hauptschulen verpönt? Und im diplomatischen Kostüm wird demokratische Steinzeit wieder zeitgemäß?

Vielleicht sollte man sich doch wieder auf die alte Tradition besinnen und Ostern 50 Tage feiern. Wer Ostereier sucht, oder sich gar die Botschaft des Auferstandenen Gottessohnes zu Gemüte führt, der überlegt vielleicht zweimal. Dass man vor dem Reden merkt, was man eigentlich dachte, als man es gesagt hat. Und eins weiß Hulda ganz gewiss: die Freiheit zu verteidigen, braucht mehr als Spezialseehunde oder wie die Truppe der Amis auch geheißen haben mag. Vielleicht wäre hühnische Logik mal gar nicht so schlecht. Ganz einfach, ganz schlicht: Freiheit heißt, Leben ermöglichen. Freiheit heißt Leben für alle. Das macht Freiheit so schwer. Und Gesetze sind dazu da, damit die Emotionen nicht ständig Amok laufen, nicht bei Regierenden und nicht im Hühnerstall.

Meint Hulda

(tw 05/2011)

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