Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Fremden

Administrator on Jun 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Also Hulda fieberte der WM seit Monaten entgegen, und nun ist es soweit. Aber: Was wäre so eine WM ohne die anderen, die fremden und ausländischen Mannschaften?

Denken wir nur an den 16.6.82 und das schockierende 1:2 gegen Algerien oder an 2002, als Oli Kahn am Ende nach dem Zittersieg über Kamerun erschöpft am Torpfosten klebte. Oder 2011 (nicht rechnen - nachdenken, da war Frauen-WM) als Deutschland gegen Nigeria ein mühevolles 1:0 errang.

Die WM lebt vom Mitfiebern und Mitgehen, aber letztlich ganz besonders von den anderen und fremden Ländern, die eine WM bunt, vielfältig und manchmal auch überraschend spannend machen. Und nicht nur die Spiele selbst, auch die Berichte über Land und Leute findet Hulda beeindruckend. Nach der Ankunft der deutschen Elf und der durchaus berechtigten Kritik an mancher Fehlplanung und Fehlinvestition schwenkte die Kamera von der Copacabana zu den Elendsvierteln - den Favelas im Hintergrund. Hulda lebt in ihrem Hühnerstall nicht gerade im Luxus, aber dort an den Hängen der brasilianischen Großstädte möchte sie sicher nicht leben. Und wenn, dann würde sie so schnell wie möglich ihren ganzen Hühnerhaufen zusammenpacken und dorthin gehen, wo alles besser zu sein scheint. Aber wenn das alle machen würden, denkt sich Hulda, würde das auch Probleme machen. Nämlich dort, wo alles besser schien. Aus diesem Grund gibt es klare Regeln, wer aus welchem Grund kommen darf. Die Arbeiterin von Adidas und Co., die für einen Hungerlohn produziert und in deren Firmen in Myanmar immer wieder Arbeiterinnen zu Tode kommen, darf zum Beispiel nicht. Gott sei Dank dürfen wenigsten weitere Kontingente (d.h., Menschen, also Frauen, Kinder und Männer, aber das würde vermutlich zu sehr emotional belasten) aus Syrien kommen, so hat Hulda gehört. Aber auch die, über die noch nicht entschieden ist, ob sie bleiben dürfen, brauchen erst einmal ein Dach über dem Kopf, eine saubere Toilette, etwas zu essen und zu trinken. Und der Landkreis Hof ist mit seinem Kontingent ziemlich hinterher, weil die Kommunen zwar alle gerne Menschen in Not aufnehmen wollen, aber leider in den Kommunen Wohnraum fehlt, auf den man zugreifen könnte.

Hulda freut sich, dass auf Nachfrage von Bischof Bedford- Strohm, Regionalbischöfin Greiner und Staatsministerin Müller der Kirchenvorstand Rehau Freiflächen für die provisorische Aufstellung von Unterkünften für Asylsuchende zur Verfügung stellt. Anscheinend ist Rehau wieder einmal Modellstadt mit Raum für Visionen. Denn die anderen 338 Kirchengemeinden in Oberfranken haben zurzeit keinen Raum für Asylsuchende.

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde, sagt Karl Valentin - mal sehen ob neue Fremde in Rehau auch in Zukunft nicht fremd bleiben, so wie die vielen Heimatvertriebenen, die in Rehau in der Fremde heimisch geworden sind.
Und so ein Länderspiel vor Ort wäre sicher auch mal spannend.

Meint Hulda

(tw 06/2014)

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