Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Martinsdramaturgie 2.0

Administrator on Nov 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda liebt den Martinstag. Schon allein deshalb, weil an diesem Tag einmal anderes Viehzeug Federn lassen musste und Hulda relativ ungeschoren davon kommt.

Und Hulda liebt die Stimmung mit dem Pferd, und den vielen Laternen und dem Teilen von Martinsgebäck. Eine gute und hoffnungsvolle Einstimmung auf die dunklen Tage, fast schon ein kleiner Advent, der ja, wie alle wissen, erst im Dezember ist.

Hulda und die Martinsdramaturgie 2.0 2015 Und Hulda war in diesem Jahr in Rehau ganz besonders begeistert. Eine wohldurchdachte Entscheidung der Kindertagesstätten hatte eine enorme Wirkung.

Aber mal ganz langsam:
Zunächst wurde deutlich, dass die Kinder im Krippen- und Kindergartenalter am Maxplatz in Rehau kaum mehr etwas von der Martinsfeier mitbekommen hatten. Erwachsene, oft innig und auch gut verständlich ins Gespräch vertieft, machten es den Kindern schwer, zu sehen und zu hören, was von Martin erzählt wurde.
Daraufhin wurde erstmals eine andere Form in den Kitas ausprobiert, die im Vorfeld bei fast allen unmittelbar Betroffenen einhellig Zustimmung gefunden hat.

Doch plötzlich gab es einen Aufschrei von Erwachsenen im sogenannten „Sozialen Medium“, mit dem man direktes Reden und Fragen umgehen konnte. Radio Euroherz und alle anderen Global Player der Mediengesellschaft machten sich auf den Weg nach Rehau.

Hulda war erstaunt, wie wichtig den Menschen die Geschichte vom mantelteilenden Martin tatsächlich ist. Gott sei Dank hat sich der Bürgermeister online vor den Martinszug spannen lassen und die Organisation gestemmt. Hulda ist auch froh, dass es so in geordneten Bahnen blieb und keine strippenden Nikoläuse, wie bei ähnlich besinnlichen Anlässen auf dem Maxplatz, auftraten. Auch wenn der Bettler mit seiner Nacktheit guten Anlass gegeben hätte.

Dass die Martinsgeschichte heute so bewegt, hätte Hulda nicht geglaubt. Insbesondere der zweite Teil der Legende, in der Martin träumt. Jesus Christus erscheint Martin als Bettler mit einem halben Mantel und zitiert aus dem Matthäusevangelium Kapitel 25. Dies leitet nun endgültig eine Trendwende in der aktuellen politischen Diskussion in Rehau ein: „Denn ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet.“ Vermutlich folgt nun Martinsdramaturgie 2.0 und in Facebook werden Unterkünfte für Asylbewerber gesucht und vermittelt. Zugleich werden Resolutionen verfasst, die fremdenfeindliche Äußerungen von Mandatsträgern offenlegen und für eine Martinsgesellschaft Rehau e.V. werben. Eine selbstverpflichtende Solidaritätswelle wird durch Facebook schweben: Menschen teilen nicht nur ihre Mäntel, sondern auch ihr Einkommen, ihre Rücklagen und ihr Haus. Martin hat nach 1600 Jahren Lippenbekenntnis endlich seine wahre Fangemeinde erreicht. Unterstellungen und Reden hinter dem Rücken anderer haben ein Ende.

Hulda ist wieder einmal sicher, dass der Heilige Geist weht, wo er will. Und wenn die Verantwortlichen dies auch so nie im Blick haben konnten – aus heutiger Sicht müssten sie dies genauso wieder tun. Danke, liebe Martin-Fans! Der Reformator Martin Luther wäre stolz auf Euch!

Meint Hulda

(tw 11/2015)

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