Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die Menschenliebe

Administrator on Aug 01 2012

Hulda und das Vorbild an sich

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda kann lesen. Hulda liest und Hulda liest nicht nur die Frankenpost. Und manchmal liest Hulda manches zweimal. So auch die Nürnberger Nachrichten und den Sturm, den der evangelische Landesbischof Prof. Dr. Bedford-Strohm entfacht hat.

Hulda kennt das ja, und der Landesbischof hat es auch noch mal gesagt, dass er sich in der Presse nicht ganz richtig wiedergegeben sieht.

Aber nun mal der Reihe nach. Zitiert wurde Bischof Prof. Dr. Bedford-Strohm folgendermaßen: „Ich selbst habe schon erfahren, wie berührend und bereichernd es sein kann, wenn man sich vom Ruf des Muezzins mit hineinnehmen lässt in dessen Gottesdienst.“ Darauf folgten Leserbriefe mit dem Vorwurf, der Bischof würde die Beliebigkeit der Religionen propagieren, die Intoleranz von Islamisten in Kauf nehmen und sich nicht genug um den eigenen Glauben kümmern. Hulda denkt sich so ihren Teil. Und ein Teil ist der, dass der Bischof das wohl lieber nicht so gesagt hätte. Aber Hulda denkt weiter. Vor und nach manchmal auch. Der andere Teil verwundert Hulda. Warum löst so ein Zitat solch einen Beißreflex aus? Es gab sogar Hassmails und persönliche Beschimpfungen. Denn die anderen Sätze klingen doch gut: „Wertschätzung gegenüber anderen gehört zur christlichen Kernkompetenz.“ Und „Unser Protest gegen die Verletzung der Religionsfreiheit gewinnt an Nachdruck, wenn wir selbst mit anderen Religionen anders umgehen!“ Hulda findet diese Aussagen deutlich cleverer. Vor allem, weil einige Christen immer wieder besonders die Gefahren des Islam betonen. Es wird genau aufgelistet, wo und von wem Christen verfolgt werden. Das ist erschütternd und muss auch deutlich benannt werden. Die spannende Frage ist jedoch: Welches Thema wird hochgehalten und welches eben nicht? Und es darf gefragt werden, ob auch hier manches besser so nicht gesagt worden wäre, wenn latent der Eindruck erweckt wird, dahinter verbirgt sich dumpfer Antiislamismus. Man könnte in diesem Zusammenhang ja auch benennen, dass es in Deutschland in den letzten zehn Jahren 200 Anschläge auf Moscheen gab. Hulda ist nicht bekannt, dass 2012 Christen in Deutschland verfolgt würden.

Aber diese Argumentation bringt nicht weiter. Hulda findet die Vorbildfunktion, die der Bischof anspricht, entscheidend. Wie wir mit anderen umgehen, das ist der Maßstab, den wir auch an uns angelegt bekommen dürfen. Das hat schon der große Pestalozzi gesagt: Wir können uns die ganze Erziehung sparen, denn die Kinder machen uns eh alles nach.

Der Hass in Entwicklungsgebieten auf westliche christliche Religion hat natürlich auch seinen Ursprung in dem Konflikt zwischen Reich und Arm sowie Nordwest und Südost. Wobei westliche Religion natürlich falsch ist. Das Judentum, der Islam und das Christentum waren und sind geographisch und theologisch Nachbarn. Dennoch: der Hass auf westliche Religion ist auch in der Geschichte der Europäer und der Kirchen in diesen Ländern zu suchen. Und es ist auch klar, dass machtgeile, verblendete Hassprediger (denen sind auch bei uns einige Millionen auf den Leim gegangen) sich dieser oberflächlichen Phrasen gerne und demagogisch bedienen. Hulda kennt in Rehau keinen Muezzin und hat ihn noch nicht rufen hören. Hulda selber reichen die Glocken eigentlich aus. Aber deshalb muss man doch platten und dumpfen Parolen nicht nacheifern und pauschal Muslime mit Christenverfolgern gleichsetzen. Das Doppelgebot der Liebe, das oberste Gebot, das Christus seinen Anhängern gegeben hat, lautet immer noch: Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Und dein Nächster, das weiß sogar Hulda aus dem Kindergottesdienst, ist manchmal eben auch der Samariter, der Andersgläubige, der einfach als guter Nachbar hilft.

Ach ja, unsere Nachbarn befinden sich seit 20.7. im Ramadan. Da kann es abends etwas länger dauern…..

Meint Hulda.

(tw 08/2012)

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