Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die pfingstliche Wortwolke

Administrator on May 01 2015

Wolken aus Wörtern

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda hat wieder etwas Neues gelernt.

Wobei, gesehen hatte Hulda diese Dinger schon des Öfteren. Aber wie das Ding heißt, wusste Hulda bis vor einigen Tagen noch nicht. Hulda meint jetzt nicht das Wort für das Teil auf dem Band an der Supermarktkasse. Die Suche nach diesem Wort gehört angeblich zu den letzten fünf ungelösten Rätseln der Menschheit. Hulda meint auch nicht das Gegenteilwort von durstig. Auch eines der ungelösten sprachlichen Probleme. Wobei, Hulda würden da gleich noch mehr Sprachprobleme einfallen: Was meint eigentlich Würde des Menschen, wenn er nicht aus Oberfranken kommt? Oder wie wird Mitmenschlichkeit gelebt? Doch lassen wir das.

Hulda hat endlich gelernt, wie diese netten graphischen Gags heißen, mit denen viele Begriffe zu einem Thema in ein unübersichtliches übersichtliches Schaubild gepackt werden. Ein Ding, das Hulda schon oft gesehen hat; nun weiß Hulda: Das Ding heißt Wortwolke.

Und gleich am letzten Sonntag gab es ein weiteres Aha die Wortwolke betreffend. Es war Pfingsten, für manche bereits der 2. Urlaubstag oder der Tag zum Autowaschen, Sporteln oder Ausschlafen - also gleich am letzten Sonntag hat Hulda den neu erlernten Begriff „Wortwolke“ noch einmal ganz anders wiedergefunden.

Es prasselte Worte ohne Ende: Pfingsten, Ausgießung des Heiligen Geistes, Geburtstag der Kirche, Erinnerung an die stetige Erneuerung und Veränderung der Gemeinde Jesu Christi. Und die werte Leserin, der werte Leser ahnen bereits bei der Fülle von Begriffen: Am Sonntag strömte eine Wortwolke sondergleichen auf viele überraschte Gottesdienstbesuchende ein. Pfingsten und Heiliger Geist - man spürte das Mühen in Worte zu fassen, was nur das Herz ergreift. Wie soll man einen Geist erklären, noch dazu einen heiligen, einen göttlichen, der uns sagt, was zu tun ist. Wie soll man auf diesen Geist hinweisen, wenn doch offensichtlich überall dieser Geist fehlt? Nicht nur an der Supermarktkasse mit dem Trenndingsbums, „Neue Kasse bitte!“ tönt es, auch wenn nur einer vor einem steht.

Doch Hulda hat trotzdem kapiert, was Pfingsten und die Ausschüttung des Geistes meint. Denn seit einige Tagen stehen in Rehau und Hof und auch an anderen Orten 18 merkwürdige Stühle herum. Merkwürdig deshalb, weil es erkennbar Stühle sind, die aber nicht zum ursprünglichen Zweck des Sitzens geeignet sind. 18 geistbegabte SchülerInnen der Fachschule für Produktdesign haben eine Patenschaft übernommen und das Thema des Reformationsjubiläums im wahrsten Sinne des Worte um – gesetzt. Und nun werben diese Stühle für weitere 77 Stuhlpatenschaften. Denn die Reformation ist kein geschichtliches Ereignis, sondern ein Auftrag des Heiligen Geistes im Hier und Jetzt. In Anlehnung an die 95 Sätze von Martin Luther (18+77=95) sollen nun begeisterte Menschen gefunden werden, die sich anstecken lassen und den Geburtstag der Kirche mit feiern. Menschen, die sich einen Kopf machen. Menschen, die sich für ein Projekt im evangelisch-lutherischen Geist einsetzen und sich für andere einsetzen. Menschen, die sich geistvoll und geistlich mit ihrer Kirche und mit den Menschen am Ort auseinandersetzen und einsetzen und durchsetzen.

Da wird Pfingsten entwolkt.

Meint Hulda
(tw 05/2015)

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