Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und die rosa Wahrheit

Administrator on Mar 01 2015

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda hat vor einigen Tagen die Ohren gespitzt. Da kam zwischendurch eine Meldung über den Äther: Sabotage bei den US-Streitkräften, so tönte es aus dem Rundfunkempfänger. Hulda war schon ganz aufgeregt.

Sollte der Ukraine-Konflikt weiter eskalieren? Die Meldung selber war dann für Hulda eigentlich zum Schmunzeln. 10.000 US- Uniformen sollten von Grafenwöhr nach Estland geschickt werden. Das wurde, so der Journalist, auch getan. Beim Öffnen stellte sich heraus, dass die Uniformen rosa eingefärbt worden waren. Sabotage war der Begriff, der für diesen Sachverhalt, durchaus zur Verwunderung von Hulda, gefunden wurde. Hulda sah kurz auf den Kalender. Nein, es war nicht der 1. April. Hulda, bei aller juristischen Einsicht für die strafrechtliche Relevanz von Unfug, Sachbeschädigung oder Zerstörung der Moral der Truppe, Hulda findet die Idee gar nicht schlecht. Tarnfleck oder Camouflage wirken martialisch und wecken auf allen Seiten, wenn nicht den Killerinstinkt wie bei „American Sniper“, so dann doch eher aggressive Gefühle. Hulda war dann nur etwas verblüfft, dass diese beachtenswerte Radiomeldung am nächsten Tag nicht in der Zeitung stand. Hulda wunderte sich und hat online recherchiert. Am Ende hat Hulda herausgefunden, dass es wohl nur ein übler Scherz gewesen war. Also jetzt nicht das Uniformeinfärben, sondern zu behaupten, einer hätte Uniformen rosa eingefärbt. Schade, denkt sich Hulda, vielleicht wäre das die Lösung gewesen: alle todesmutigen und kriegswilligen jungen und alten Männer, Frauen findet man da ja eh meist weniger, also alle aggressiven Gestalten in Rosa zu hüllen - vielleicht könnte das vor lauter Lachen und Kichern so manche aggressive Auseinandersetzung entschärfen.

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Davon abgesehen, denkt sich Hulda mal wieder, welche Wahrheit ist denn nun die richtige? Die gefühlte, die gewünschte oder die wie auch immer echte, also nachweislich belegbare? Wie gesagt, Hulda fände rosa Uniformen gar nicht so doof. Dennoch wäre Hulda in ihrer persönlichen Legendenbildung in den nächsten Jahren mit einer Geschichte hausieren gegangen, die es so in der realen Welt gar nicht gegeben hat. Vielleicht, denkt sich Hulda, laufen noch mehr rosa Geschichten durch die Welt, die man für richtig hält, nur weil man die Idee klasse findet? Und manche dieser erdachten Wirklichkeiten sind weder zum Schmunzeln noch helfen sie zur Deeskalation.

Und vielleicht gibt es die rosa Uniformen wirklich und man hat sie einfach verschwinden lassen? Hulda hat schon eine Vermutung wohin. Denn am 15.3., dem Sonntag Lätare, waren in manchen katholischen Kirchen Priester in auffälligen Gewändern zu sehen. Keine Sabotage, sondern freiwillig und gewollt. Denn dieser Sonntag gilt als kleines Ostern und man mischt die Farbe der Passion, Violett, mit der Osterfarbe Weiß: Heraus kommt dann, na Sie wissen es doch! Rosa. Genau! Also, wenn es die Uniformen noch gäbe, wüsste Hulda wo dafür ein echter Markt wäre.

Meint Hulda

PS: Hiermit verabschiedet sich Hulda aus Land und Leute - aber wie sagt der rosa Panther: Heute ist nicht alle Tage - ich komm wieder, keine Frage! Eine Wahrheit, die vielleicht auch nicht allen gefällt, wenn Hulda weiter die rosarote Brille in Frage stellen dürfte.

(tw 03/2015)

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