Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und: Draußen vor der Tür

Administrator on May 01 2014

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Also Huldas Großmutter hat immer gesagt: Zum Streiten gehören (mindestens) zwei. Aber Hulda ist klar, dass bei jedem Streit jede Seite weiß, warum gerade sie die richtigen Argumente hat und die Gegenseite eben die völlig falschen.

Wenn sich zwei Gockel über die Biersorten streiten oder gar über die Frage, welches alkoholfreie Bier noch zu trinken geht, dann bleibt dies wenig dramatisch und kann von außen schon fast komisch wirken.

Wenn man jedoch selber beim Streit dabei ist und zum Beispiel mit den eigenen Küken über den richtigen Radiosender bzw. die richtige Musik streitet, dann ist da schon mehr Engagement dabei. Denn mit Musik verbindet man eigene Gefühle und Emotionen. Und die eigene Musik ist immer die Beste. Und das Gedudel der anderen nervt halt einfach. Basta.

Aber auch das führt, wenn auch manchmal zu heftigen Disputen, oder gar beleidigten Mienen, nicht wirklich zum Bruch und ist nach ein paar Stunden oder am nächsten Tag vergessen.

Sobald aber ein Streit öffentlich wird und vor Publikum ausgegockelt wird, dann fallen alle kultivierten und wohlerzogenen Mitbürger auf alte Steinzeitrituale oder zumindest auf römische Arenakämpfe zurück. Irgendwann ist der Punkt überschritten, an dem objektiv nachvollziehbar bleibt, wer eigentlich warum angefangen hat und wer mit wem warum überhaupt nicht kann oder nicht will oder was auch immer. Wie wild wird gekräht und aufeinander eingehackt. Vor Publikum, noch dazu über Presse und social media und Briefe und Flugblätter, egal vor welchem Publikum auch immer, wird aus einer Streiterei, vielleicht auch aus einer notwendigen sachlichen Auseinandersetzung, ein Kampf auf Leben und sonst was, wie in der römischen Arena. Das Publikum ergötzt sich am hitzigen Kampf in der Arena, ergreift Partei für die eine Seite und skandiert laut und deutlich, welcher Depp der andere ist und vor allem auch warum. Das Publikum scheint unbedingt Blut sehen zu wollen, ohne selber Schmerzen leiden zu müssen. Es gibt nur noch Sieger und totale Niederlage. Sitte, Anstand und Wahrheit sind, wie in jedem Krieg, die ersten Opfer, die zu Grabe getragen werden. Hulda fand Hahnenkämpfe schon immer furchtbar, weil die Hähne zwar doof genug sind, sich gegenseitig den Garaus zu machen, aber das eigentlich Perverse sind die Gaffer, die sich daran begeistern.
Hulda überlegt, wie man aus dieser sich selbst beschleunigenden Spirale von Halbwissen, Halbwahrheiten und gegenseitigem Niederringen aussteigen könnte.

Erwarten Sie ehrlich eine Antwort? Wenn Hulda das wüsste, würde sie bestimmt den Friedensnobelpreis bekommen.

Wer hat Hulda eigentlich diesen Ball zugespielt? Irgendwie lag das Thema vor der Tür. Dabei sind die Krim und die Ukraine doch so weit weg. Aber die Mechanismen, die Menschen völlig austicken lassen, liegen oft näher als man denkt. Hulda wundert sich des Öfteren, dass es nicht noch mehr Kriege gibt.
Meint Hulda…

(tw 05/2014)

© 2007-2018 Thomas Wolf | Keine Verwendung, Nachdruck etc. ohne Genehmigung der Autoren | created with WBCE.org | This site was last modified on 23/05/2018 at 18:58.