Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und Islam

Administrator on Jan 01 2012

Koexistenz – Besser Miteinander als Nebeneinander!

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Hulda ist ganz gut im neuen Jahr angekommen. Es gab zwar wie immer über die Feiertage einige Schlachtversuche, aber Hulda lebt noch.

Und Hulda macht Augen.

Zum einen hingen an der Kirche und am Pfarrgarten Plakate, dass ein Gottesdienst mit „Islam“ stattfand. Hulda wurde neugierig. Hulda ist zwar nicht wirklich polyglott, aber auch nicht ganz auf den Kopf gefallen. Gottesdienst, also christliche Kirche und Islam, geht das? Das ist doch wie Hund und Katz, um einmal in der Bilderwelt von Hulda zu bleiben.
Zum anderen kam letzte Woche die Meldung, dass am altehrwürdigen Tübinger Universitätsgelände, eine der ehemaligen Hochburgen der konservativen und pietistisch geprägten Theologie, die erste theologische Ausbildungsstätte für Muslime in Deutschland eröffnet wurde. Die Tübinger Studenten sollen in ein paar Jahren eine Stelle als Imam antreten. Sie werden dann die ersten Vorbeter sein, die in Deutschland ausgebildet wurden.

Rehau hat zwar keine offizielle Universität, aber einige kluge Köpfe. Rehau scheint auch hier wieder Modellstadt gewesen zu sein. Bereits 2011 marschierten die Muslime im Wiesenfestumzug mit. Hulda hat gehört, zum ersten Mal. Und der Bürgermeister hat es nach einigen nicht ganz einfachen Jahren geschafft, dass die muslimischen Mitbürger ein würdiges Gotteshaus bekommen haben. Und, Hulda reibt sich noch immer die Augen, wenn sie sich daran erinnert:  Beim 1. ökumenischen Gemeindefest auf dem Maxplatz 2011 waren der Imam und der D.I.T.I.B. Vorstand beim Gottesdienst  gewesen. Und auch bei der Verabschiedung des katholischen Priesters Pater Francis waren Muslime eingeladen und sie sind auch gekommen.
Sollte Rehau, allen Gerüchten zum Trotz, nicht nur architektonisch zur Modellstadt werden? Zur Modellstatt von Integration und geschwisterlichem Miteinander, ein Raum für Visionen? Also neben modernster Industrie auch christliches Denken im Sinne von Nächstenliebe und interreligiösem Miteinander nicht nur am Arbeitsplatz, sondern mitten im Lebensraum?
Aber zurück zu dem Gottesdienst am Sonntag. Hulda hat gehört, dass der Redner, sogar ein echter Pfarrer, sogar ein höherer Pfarrer gewesen sein sollte, ein ehemaliger Dekan und nun Kirchenrat. Also ein heller Kopf und Doktor war er auch noch. Ein Stück Universität in Rehau quasi. Und was der erzählt hat. Gemeinsame Wurzeln von Juden, Christen und Muslimen. Abraham, Isaak und Jakob. Selbst an die Wiederkunft Christi glauben die Muslime.
Irgendwie scheint die Zeit der Kreuzzüge und der Zwangsmissionierung zumindest in einigen Köpfen der Vergangenheit anzugehören.
Ob das so bleibt? Vielleicht gibt es demnächst sogar gemeinsame interreligöse Feste und Feiern. Hulda fände das gut. Auf dem Bauernhof sind die gemeinsamen Feste auch die schönsten. Vor allem weil man so viel fragen kann und viel erzählen darf, von sich und seinem Glauben, wenn die anderen fragen.
Nur einen Wunsch hätte Hulda. Wenn ein Fest, dann bitte doch möglichst ohne Hühnerbraten! Hulda würde gerne die nächsten Feiertage in Frieden überstehen.

Meint Hulda!

(tw 01/2012)

© 2007-2018 Thomas Wolf | Keine Verwendung, Nachdruck etc. ohne Genehmigung der Autoren | created with WBCE.org | This site was last modified on 23/05/2018 at 18:58.