Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und: Man sieht den Ast vor lauter Bäumen nicht

Administrator on Sep 01 2016

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, ist wieder einmal überrascht. 2011 hat die Stadt Rehau eine langjährige Tradition eingestellt. Und die Reaktionen darauf gaben dieser Entscheidung eigentlich Recht. Eigentlich.

Denn es gab keine Reaktion! Aber nun mal ganz langsam. Irgendwann lange bevor Hulda in Rehau weilte, hatte man die Idee, für jedes Erstkommunionkind und jede Konfirmandin und jeden Konfirmanden einen Baum zu pflanzen. Lange Zeit hinter der Autobahn in der Ziegelhütte, dann bei der Apostelkirche in der Siedlung. Hulda hat sich erzählen lassen, dass die Teilnahme der so Geehrten nicht wirklich vollständig war, um nicht zu sagen eher hundsmiserabel. Auch in den Jahren danach waren Wachstum und Erhalt der Bäume eher im Blick des Bauhofes als ein besonderer liturgischer Akt im kirchlichen Jahreskreis. Dann aber als der Sommer, der kein Sommer war, sich dem Höhepunkt zuneigte, las Hulda in der Zeitung, dass ein Teil der Kommunion-/Konfirmationspflanzung einem neuen Einkaufsmarkt weichen soll. Und eigentlich war es das dann auch wieder. Doch weit gefehlt, plötzlich wurde diesem Ort eine tiefe Symbolik des Glaubens zugeschrieben. Hulda musste lange nachdenken. Angebliche Heilige Bäume wurden von Bonifatius in Dokkum auch schon gefällt und Hulda hofft, dass die Holzfäller in der Siedlung nun nicht von heidnischen Germanen erschlagen werden, so wie damals der Missionar.

Wobei, Hulda hat noch einen ganz anderen Verdacht. Könnte es sein, dass nachvollziehbare Überlegungen, wie man den Markt verhindern könnte, z. B. um der eigenen Ruhe habhaft bleiben zu können, nun über Bande christlich mythologisiert werden sollen?

Hulda findet die Idee der Stadt super. Sollten wirklich Baumeigenejahrgänge bis 2010 emotional ohne ihren Baum nicht weiter existieren können, könnte man ja eine symbolische Ersatzpflanzung vornehmen. Hulda fände dann Eiche aber schlecht, wie gesagt Dokkum und Bonifatius und das traurige Ende damals. Aber angesichts des Reformationsjubiläums 500 Apfelbäume in der Stadt, das wäre schon ein Signal für das Bekenntnis zur evangelischen Tradition seit 1527 in Rehau. Oder eben auch nur 490 Apfelbäume. Modellapfelbaumpflanzung des Jahres. Vielleicht Adamsapfel, Bischofshut, Fromms Goldrenette, geflammter Kardinal (besonders schön zum Reformationsgedenken) oder gar den Heuchelheimer Schneeapfel, Juwel aus Kirchwerder, Red Devil (für die Gebildeten unter den Verächtern der Religion), oder roter Jungfernapfel. Aber auch die rheinische Schafsnase klingt super…

Naja, aber auch da wird wieder irgendwer irgendwann und irgendwie einen Wurm finden.

Meint Hulda

(tw 09/2016)

 

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