Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und memento moriendum esse

Administrator on Nov 01 2015

the life consulting

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda denkt nicht gerne an den Tod. An das eigene Sterben bzw. überhaupt an die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst einmal sterben könnte, will Hulda nicht wirklich auch nur einen Gedanken verschwenden. Manchmal fällt das schwer.

Ein Autounfall auf der Gegenfahrbahn, eine Todesanzeige mit einem Geburtsdatum, das gefährlich nahe bei einem selbst einschlägt, Berichte in Zeitung, Funk und Fernsehen. Und dabei dann doch immer das innere „High Five“ – ich bin´s wieder (noch) nicht! Nur die anderen!

Hulda und memento moriendum esse

Hulda hat so die Vermutung, dass es den zweibeinigen Genossen im Geiste ähnlich geht. Denn mit aller Kraft und allem den Baumärkten zur Verfügung stehenden Geschmack und den Geschmacklosigkeiten in Sachen Deko und Pflanzen deuten seit Tagen alle Zeichen auf Ostern. Nicht so heftig wie sonst eigentlich - der kurzen Faschingszeit und dem späten Winter sei Dank. Für die geneigten Leser, die hinter Ostern nur Eier und Schmunzelhasen entdecken, sei hier angefügt: Ostern ist das zentrale Fest der Christen. Man feiert den Sieg des Lebens über den Tod. Die geneigte Leserin sei getröstet: Auch manchen Kirchengliedern fällt diese Kurzdefinition manchmal schwer. Schwer zu formulieren und schwer zu glauben.

Und schon kommt man ihm nicht aus, dem Tod. Das eine geht eben nicht ohne das andere. Gerade jetzt ist eben noch nicht Ostern, hat sich Hulda sagen lassen. Grün- (Grein-) Donnerstag, Kar- (Trauer-) Freitag, Kar- (Trauer-) Samstag. Ostersamstag ist erst in der Woche nach Ostern. Und Osterzeit ist dann bis Himmelfahrt. Aber das ist wie gesagt ein ganz anderes Thema.

Noch stehen alle Zeichen auf Trauer. Es könnte tatsächlich die tödliche Gewissheit entstehen, dass das eigene Leben gefährdet und mit maximaler Wahrscheinlichkeit endlich sein wird. Hulda erinnert sich da an viele Zeichen vergangener Zeiten. Den „Jedermann“ und das Denkmal des Todes am Dom in Salzburg. Oder an den Brandner Kasper. Und wer es (ein)gebildet möchte, Huldas Latein ist nicht gerade überzeugend: „Memento moriendum esse“, auf Deutsch: „Gedenke, dass Du sterben musst.“

Hulda möchte nicht daran denken, will nicht dran denken. Doch je mehr und desto üppiger unzeitig Ostern dekoriert wird, umso stärker ahnt Hulda, dass da etwas nicht passt; dass da etwas vertuscht, übertüncht oder gar verdrängt werden muss.

Doch was ist die Alternative fragt sich Hulda? Ängstlich und von Todesahnung zerfressen untätig das Elend der Welt betrachten? Tag für Tag bibbernd und zagend den Fuß aus dem Bett strecken?

Hulda spürt, dass die Alten und ihre Ordnungen des Jahres heilsam sein könnten. Natürlich hält das niemand aus, ständig über den Tod und seinen Schrecken nachzusinnen. Natürlich gibt es ein Leben vor dem Tod, das wir genießen und feiern dürfen.

Und trotzdem, mal eine Woche, wenigstens einen Tag, innehalten und zulassen, was wir alle wissen, was wir alle spüren, was wir alle fürchten: Innehalten und gedenken, dass wir sterben müssen.
Das ist heilsam und hilfreich.

Meint Hulda

© 2007-2018 Thomas Wolf | Keine Verwendung, Nachdruck etc. ohne Genehmigung der Autoren | created with WBCE.org | This site was last modified on 23/05/2018 at 18:58.