Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und Politik und Kirche

Administrator on Oct 01 2013

Hulda – oder was Kirche mit Politik zu tun hat

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda hat auch gemerkt, dass heute ein besonderer Tag ist. Offensichtlich rüsten die Geschäfte seit Wochen spektakulär mit Masken und Gruselgram für diesen Tag auf. Und zeitgleich laden die Kirchen zu einem besonderen Gottesdienst ein, der augenscheinlich mit dem anderen Treiben überhaupt nichts zu tun haben will.

Denn, das hat Hulda schon in der Schule gelernt, am 31. Oktober 1517 hat der Wittenberger Augustinermönch und Professor Dr. Martin Luther 95 Sätze an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt. Auf Latein und scharf im Ton hat er die Praxis der damaligen Kirche angeprangert, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, um damit Geld in Form von Ablassbriefen zu verdienen.

Was Luther nicht wissen konnte: Der Papst selbst wusste davon und mit diesem Geld sollte auch der Petersdom in Rom neu erbaut werden. Manche Dinge ändern sich anscheinend nie.

Was viele heute nicht wissen: Luther wollte am schwarzen Brett der Universität (nichts anderes war die Kirchentür) eine Fachdiskussion auslösen und keine Kirchenspaltung. Wenn dieser Thesenanschlag überhaupt in dieser Form jemals stattgefunden haben sollte, was profilierte Forscher inzwischen deutlich in Frage stellen.

Wie auch immer, nach Diskussionen und Ächtung Luthers durch Papst und Kaiser spitzte sich der Streit immer mehr zu. Je nach politischem Kalkül gab es Einigungen oder dramatische Kriege, wie den dreißigjährigen, der Deutschland völlig verwüstete.
Hulda überlegt sich, wie sicher viele in den letzten Jahrhunderten, was denn heute an das schwarze Brett der Gesellschaft geschlagen werden müsste?

Dazu muss man auch noch wissen: Für die evangelische Kirche in Deutschland beginnt heute das Themenjahr „Reformation und Politik“ im Blick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten 2017.

Hulda ist sich nicht ganz sicher, wo das hinführen soll - die Verknüpfung von Thron und Altar hatte auch noch nach den Kriegen im 17. Jahrhundert schreckliche Folgen. Der Kadavergehorsam der Protestanten in der Nazidiktatur war sicher eine Folge des unseligen Bündnisses von Thron und Altar und zugleich eine Konsequenz aus der tiefsitzenden Überzeugung, Glaubensleben und politisches Engagement strikt trennen zu wollen.
Und dabei erinnert sich Hulda auch an rabenschwarze politische Äußerungen Luthers gegen die Juden und die aufständischen Bauern- die dann mit dem Segen Luthers aufs Teuflischste niedergemetzelt wurden.

Was müsste heute von Kirchenseite ans schwarze Brett genagelt werden?
Die steile These von Helmut Gollwitzer, dem engagierten Kämpfer gegen den Nationalsozialismus, der in Bad Steben aufwuchs: „Sozialisten können Christen sein, aber Christen müssen Sozialisten sein?“

Oder eher die Einladung zum evangelischen Arbeitskreis der CSU?

Hulda ist gespannt auf die spannenden Auseinandersetzungen innerhalb des Reformationsjubiläums zu Reformation und Politik.

Meint Hulda

(tw 10/2013)

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