Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und Weihnachten

Administrator on Dec 01 2011

... und die Extraportion Zuwendung

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so. Hulda ist sich unsicher. Unsicher, was man vor Weihnachten denken soll. Unsicher, was man vor Weihnachten sagen soll.

Hulda hat gehört, dass es ein alter Brauch ist, den Weihnachtsfrieden zu halten. Die Waffen schweigen. Fehden und verbale Auseinandersetzungen ruhen. Selbst die Steuerbehörden schicken angeblich keine Mahnungen. Alle bemühen sich Streit, wenn nicht zu schlichten, so denn wenigstens brachliegen zu lassen. Selbst der Bauer, er gehört noch zum alten Schlag, verteilt am Heiligen Abend eine extra Portion leckeres Zusatzfutter, nicht ganz uneigennützig, aber wer sollte es ihm auch verdenken. Hulda findet den Weihnachtsfrieden super.

Dennoch ist sich Hulda unsicher. Zuviel hat sie in den letzten Wochen gesehen und gehört. Menschen waren in der Stadt unterwegs ohne Ende. Zum Einkaufen die einen, manche froh und heiter, manche genervt. Und andere in der Stadt waren auch unterwegs, eher gedrückt bei den Ärzten mit Sorgen und Nöten. Friedlich ist schon immer relativ gewesen, denkt sich Hulda.

Und Menschen waren unterwegs, etwas ganz neues hat sich Hulda sagen lassen, von Fenster zu Fenster, von Haus zu Haus. Unglaublich viele machten sich bei Wind und Wetter auf den Weg, um sich von den Adventsfenstern überraschen zu lassen. Die Menschen sangen auf der Straße Adventslieder und standen noch eine Weile bei Tee und Gebäck und haben geplaudert. Und es waren junge Menschen unterwegs, die am Advent für die TAFEL e.V. in Rehau gesammelt haben. Ein Stück sozialer Frieden für die Stadt, vielleicht hofft Hulda.

Und andere junge Menschen waren unterwegs, fröhlich eingestimmt auf die Weihnachtszeit, manche auch feucht fröhlich betankt, laut und betrunken den Maxplatz unsicher machend. Hulda ist sich nicht schlüssig, ob dies auch zum Frieden beiträgt. Unsicher ist Hulda, was sie denken und sagen soll. Jeder und Jede hat so seine eigenen Bedürfnisse in dieser Zeit. Jeder sucht seinen Frieden auf eine andere Art und Weise. Und manche halten die Stille und die Besinnlichkeit nicht aus, weil sie zu viel drückt, oder weil sie einfach nicht mehr verstehen, was das soll. Oder weil es einfach mal etwas anderes ist. Ein Event, den man sich nicht entgehen lassen möchte. Es ist wie das „zweite“ Programm gegen alle Besinnlichkeit. Vielleicht eine Chance, ein Aufbegehren, ein anders sein wollen? Hulda denkt sich ihren Teil und Weihnachtsfrieden ist ja auch, wenn man die anderen sein lässt, wie sie sein wollen, oder?

Hulda weiß es einfach nicht. Hulda schweigt. Und Hulda freut sich auf den Moment, wo es im Stall ganz still wird. So richtig friedlich. Und nur durch die Ritzen in der Stallwand scheint der warme Schein des Christbaumes vom Hof in den Stall. Dieses Licht wärmt ganz besonders, von innen, trotz des kalten Windes, der ebenso durch die Ritzen pfeift. Noch viel besser als die Extraportion Futter.

Irgendwie anders halt. Hulda weiß einfach nicht, wie sie das denken und sagen soll.

Der Weihnachtsfrieden kommt sicher. Hoffentlich! Für Alle?

Fragt Hulda.

(tw 12/2011)

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