Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda und: Wer ist schuld ?

Administrator on Feb 01 2016

Du bist schuld!

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, kann es nicht mehr hören. Ständig gackert eines der Küken: „Die war´s. Die ist schuld!“ Und auf die Antwort muss Hulda nicht lange warten: „Stimmt gar nicht. Du bist schuld!“

Du bist schuld! Hulda überlegt, ob sie einstmals ähnlich dämlich war oder erst mit dem Alter begriffen hat, dass das mit der Schuld meist etwas komplizierter ist.

So hat man in Bayern zwar den politischen Aschermittwoch abgesagt, aus Mitgefühl und Trauer um die Opfer in Bad Aibling. Vermutlich wollte aber der Ministerpräsidenten seine Aussage über „die Herrschaft des Unrechts“ nicht ungehört verhallen lassen. Hulda hat viel nachgedacht. Ist wirklich Seehofer schuld, wenn die Asyldebatte weiter mit Stammtischparolen angeheizt wird? Ist Merkel schuld, dass sich Menschen eingeladen fühlen, die nicht in Not vegetieren? Wer ist schuld, wenn sich Menschen mit ihren Ängsten und Befürchtungen nicht gehört fühlen? Wer hat Schuld, wenn humanitäre Hilfe verweigert wird? Oder Integration nicht funktioniert? Wer hat Schuld, wenn keine europäische Lösung in Sicht kommt? Und die Ursachen für Emigration in den Herkunftsländern nicht beseitigt werden?

Was Hulda jedoch fahrlässig, ja bereits eindeutig schuldhaft findet, ist jegliche verkürzte Diskussion. So zum Beispiel, wenn sich einer auf § 18 Absatz 1 Asylgesetzt beruft, dass Asylsuchende aus einem sicheren Drittstaat an der Grenze abzuweisen seien. Hulda hörte in diesem Zusammenhang sogar von Flintenweibern, die zwar nicht auf Kinder, aber doch auf Frauen und Männer schießen lassen wollen.

Wie gesagt, Hulda hält es für sträflich unfair, wenn man nicht weiterliest und auch § 18 Absatz 4 zitiert, der dem Bundesinnenministerium aus humanitären Gründen und auch aus politischem Interesse gestattet, von einer Ausweisung abzusehen.

Das mit der Schuld und vor allem mit schnellen Schuldzuweisungen ist eine ganz heikle Sache, findet Hulda. Denn wer hat denn Schuld daran, dass Menschen ins reiche Westeuropa fliehen? Hulda braucht jetzt nicht erst auf die „made in germany – Stempel“ auf den halbautomatischen Waffen zu schielen. Die Strukturen und die Ursachen sind noch viel komplizierter. Wie auch die Frage nach der Schuld und nach dem, wer Schuld daran hat.

Apropos Schuld: In Bad Aibling hat man einen Verdächtigen. Manche atmen auf. Warum eigentlich? Was wird damit wirklich besser? Jedoch Achtung! Es ist noch kein Schuldiger! Aber einer, dessen Schuld ein Gericht feststellen könnte. Hulda denkt viel an diesen Menschen. Wenn er wirklich Schuld auf sich geladen hat, wie kann er damit leben? Hilft es den Opfern und den Familien der Toten, wenn ein Schuldiger gefunden ist? Was brauchen sie wirklich, um mit dem Schuldigen, vielleicht einem Nachbarn, weiterleben zu können?

Hilft ihnen die aktuelle Passionszeit, fragt sich Hulda? Gar das Lied: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder, es geht und träget in Geduld die Sünden aller Sünder …“

Der Besungene war wirklich nicht schuld. Wie kann er dann die Schuld tragen? Und doch ist er ein Zeichen der Hoffnung in dieser Welt. Mit und unter und gegen alle Fragen und Verstrickungen in und mit Schuld – oder doch nicht?

Meint Hulda
(tw 02/2016)

 

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