Hulda.

Hulda.

Das Huhn.

Hulda unter Hochspannung

Administrator on Feb 01 2014

Hulda, nennen wir das Huhn einfach einmal so, also Hulda hat schon früher immer gesagt: Für sie wäre ein Atomkraftwerk völlig unnötig. Was braucht sie denn an Strom?

Na ja, ein bisschen für die Schrotpresse, weil die ganzen Körner doch nicht ganz so toll schmecken. Und manchmal, aber wirklich ganz arg selten, auch ein wenig Licht im Stall. Okay, der Brutautomat hilft manchmal schon, wenn eine Kollegin nicht so recht weiter kommt. Und auch das Telefon ist gar nicht schlecht, wenn der Tierarzt dringend kommen muss.

Aber so grundsätzlich braucht Hulda fast keinen Strom. Vielleicht noch zum Anwärmen des Wassers im Winter. Und eventuell noch für die Heizlampen der Küken. Aber sonst?
Und wenn es noch weniger Strom gäbe, das würde Hulda so richtig freuen, denn dann gäbe es nämlich keine elektrischen Eierkocher mehr. Und keine Elektrogrills.

Hulda merkt schon selber, dass sie fast so dämlich argumentiert wie einige Zweibeiner, die gesagt haben: Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose – wozu verrückt machen lassen?

Der grüne Gockel in München hat Hulda langsam überzeugt, dass regenerative Energien, sprich Sonne, Wasser usw. doch besser als Kohle und Atome sind.

Was Hulda nicht versteht, ist, dass der Strom, der keine Rohstoffe verbraucht, Energie teurer macht als der Strom, für den man früher Steinkohle und Braunkohle und Uran und Gas und Öl fördern und importieren musste.

Dagegen ist Hulda schon einsichtig, dass Windräder lieber in unbewohnten Gegenden gebaut werden sollten, als auf den Gipfelkämmen des Fichtelgebirges. Also wenig bewohnt und windig müsste es sein. Und vor allem weit weg. Das war schon so bei den anderen Kraftwerken. Und Hulda ist es auch klar, dass ihr Glätteisen und der Laptop nur funktionieren, wenn es eine Leitung zwischen den weit entfernten Kraftwerken und ihrer Steckdose gibt.

Nur möchte Hulda auch nicht gerade unter einer Starkstromleitung wohnen. Angeblich ist die geplante neue Anlage durch Oberfranken nur für Gleichstrom. Das surrt nicht so und überhaupt wenig Magnetfeld usw.

Tja denkt sich Hulda, dezentrale Kraft-Wärmekoppelung ist halt leider noch nicht ganz so weit, wie es schön wäre. Und das mit dem Energiesparen auch nicht. Angeblich läuft ein Atomkernkraftwerk in Deutschland nur dazu, um die Standby-Funktion mit Energie zu versorgen. Hulda kann sich das gar nicht vorstellen, die paar Lichter am CD-Player, am Telefon, am Kopierer und Computer des Bauern, aber egal.

Lustig findet Hulda, dass die Starkstromleitung schon vor langer Zeit in Berlin beschlossen wurde und nun plötzlich im Kommunalwahlkampf aufregt, obwohl doch die eigentliche Beplanung und Prüfung mit allen Einspruchsmöglichkeiten noch Jahre dauern wird.

Letztlich denkt sich Hulda aber bei allen offenen und durchaus berechtigten Fragen- letztlich steckt doch in jedem ein kleiner Florian: Verschon mein Ei, brat andere an…


Meint Hulda

(tw 02/2014)

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